Yoon Soyoung begeistert mit Mut und Meisterschaft

Kultur / 17.04.2026 • 12:47 Uhr
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Yoon Soyoung gestaltet in Nendeln ein forderndes Programm mit Eleganz, Präzision und Ausdruckskraft. Andreas Domjanic

Der Geigerin gelang mit Werken von Kreisler, Weinberg, Szymanowski und Debussy ein Konzertabend auf hohem Niveau.

nendeln Yoon Soyoung erwies sich am Donnerstagabend im Hagenhaus in Nendeln als Künstlerin von hohem Rang, als Geigerin, die technische Souveränität, stilistische Wachheit und erzählerische Intelligenz in einer Weise verbindet, die auch ein anspruchsvolles Programm nicht bloß bewältigt, sondern mit Sinn, Spannung und innerer Form erfüllt. Schon die sympathischen, klug gesetzten Einführungen, mit denen sie anhand kleiner Geschichten auf Weinberg und Szymanowski einstimmte, öffneten einen unmittelbaren Zugang zu Werken, die nicht auf gefällige Wirkung zielen, sondern Konzentration, Offenheit und genaues Hören verlangen.

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Mit Fritz Kreislers „Präludium und Allegro“ setzte Yoon Soyoung zu Beginn ein glänzendes Ausrufezeichen. Sie kostete den würdevollen Ton des Präludiums mit schönem Bogenstrich und sicherem Stilgefühl aus, ohne die Musik zu beschweren, und ließ im Allegro jenes virtuose Feuer aufleuchten, das Kreisler so kunstvoll mit Eleganz verbindet. Läufe, Doppelgriffe und rasche Passagen wirkten bei ihr nie äußerlich auf Effekt berechnet, sondern blieben Teil einer klar geformten musikalischen Linie. Gerade diese Verbindung aus Brillanz und Geschmeidigkeit verlieh der Darbietung Format.

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Noch stärker beeindruckte die Geigerin in Mieczysław Weinbergs fünfter Sonate für Violine solo, einem Werk von großer innerer Spannung und spröder Wahrhaftigkeit. Yoon Soyoung stellte sich dieser anspruchsvollen Partitur mit Mut, Disziplin und spürbarer Hingabe. Sie suchte nicht die gefällige Glättung, sondern ließ die Schärfen, die Kontraste und die innere Unruhe dieser Musik deutlich hervortreten. So gewann die Sonate Profil, Dringlichkeit und Ausdruckstiefe. Besonders überzeugend war, wie präzise sie die dichte motivische Arbeit freilegte und dabei den großen Spannungsbogen nie aus dem Blick verlor. Das hatte Gewicht und künstlerische Konsequenz.

Sinnliche Präsenz

In Karol Szymanowskis „Mythen“ zeigte sich dann eine andere Seite ihres Könnens. Hier entfaltete Yoon Soyoung einen schillernden, fein nuancierten Ton, der den irisierenden Klangkosmos dieser Musik leuchten ließ. Flageoletts, Glissandi und die heiklen Übergänge zwischen Linie und Farbe gelangen mit großer Selbstverständlichkeit. Die poetische Schwebe dieser Stücke, ihr Changieren zwischen sinnlicher Präsenz und flüchtiger Erscheinung, wurde von ihr mit bemerkenswerter Sensibilität gestaltet. Auch Debussys Sonate für Violine und Klavier gelang als eindringlicher Dialog voller Feinheiten. Statt auf bloßen Schönklang zu setzen, arbeitete Yoon Soyoung die Präzision, die feinen Brechungen und die subtile Beweglichkeit dieser späten Musik heraus. Nichts wirkte überdehnt, alles blieb in Form, atmend, beweglich und voller innerer Spannung.

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So wurde dieser Abend zu einem Kammerkonzert auf hohem Niveau, getragen von einer Geigerin, die nicht nur über enorme Mittel verfügt, sondern diese auch klug und mit künstlerischem Ernst einzusetzen weiß. Yoon Soyoung machte aus einem schwierigen Programm einen intensiven, faszinierenden und sehr lohnenden Konzertabend.