Ein Boot, ein Traum, ein Mythos

Kultur / 03.04.2025 • 12:46 Uhr
Franz Plunder
Die Ausstellung “Der atlantische Traum –Franz Plunder. Bootsbauer, Bildhauer und Abenteurer” läuft bis Oktober 2026. daniel furxer

Die neue Sonderausstellung im vorarlberg museum widmet sich dem Bregenzer Franz Plunder.

Bregenz Das vorarlberg museum widmet dem Bildhauer, Bootsbauer und Atlantiküberquerer Franz Plunder eine große Sonderausstellung. Sie erzählt nicht nur vom waghalsigen Abenteuer eines Mannes, sondern eröffnet vielfältige Zugänge zur regionalen Geschichte – und darüber hinaus.

Franz Plunder
Highlight der Ausstellung ist ein multimedialer Erlebnisraum, in dem körperlich spürbarer Wellengang Wind, Wasser und Risiko erlebbar macht. andreas marte

Franz Plunder ist keiner, der sich aufdrängt. Selbst vielen Einheimischen dürfte der 1891 in Bregenz geborene Künstler bestenfalls dem Namen nach ein Begriff sein. Dabei verdichtet sich in seiner Biografie vieles – von den großen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts bis hin zur zeitlosen Frage: Was traue ich mir im Leben zu?

Franz Plunder
Franz Plunder war auch als Bildhauer tätig. stadtarchiv bregenz

Plunder war gelernter, mehrfach ausgezeichneter Bildhauer und studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Bekannt wurde er jedoch nicht mit Skulpturen, sondern mit einem Segelschiff. Am 30. Juni 1923 stach er mit drei Weggefährten von Hamburg aus mit einem 14 Meter langen, selbstgebauten Boot in See: der „Sowitasgoht V“. Der Besatzung gelang es damals nicht, Funkgeräte an Bord zu installieren, um Wettervorhersagen zu empfangen oder die Zugrichtung von Stürmen abschätzen zu können. Aufgrund von Verzögerungen starteten sie zudem mitten in der Hurrikansaison. Zwei schwere Stürme überlebten sie nur knapp, und dass sie ihnen entkamen, war reiner Zufall. Schließlich gingen auch noch Proviant und Trinkwasser zur Neige – bis glücklicherweise ein Frachter auftauchte und sie versorgte. Kurzum: Die Reise war ein waghalsiges, in vielerlei Hinsicht unvernünftiges Unterfangen – und wurde gerade deshalb zur Legende. Nach 61 Tagen und 5800 Seemeilen erreichten sie New York. Plunder hatte sich seinen Traum erfüllt – und zugleich einen Mythos geschaffen.

Franz Plunder
Zehntausende Menschen kamen in den Hafen, um Plunder und seinen Mitstreitern zuzujubeln. stadtarchiv bregenz

„Ein solcher Atlantiktraum bewegte damals viele Menschen“, erklärt vorarlberg museum Direktor Michael Kasper. „Es ging nicht nur um Abenteuerlust, sondern auch um Auswanderung und neue Lebensentwürfe. Plunder steht stellvertretend für eine ganze Generation, für eine Region, die sich in einem Grenzraum bewegt – geografisch wie mental.“

Franz Plunder
Franz Plunder war ein sehr erfolgreicher Bootsbauer. stadtarchiv bregenz

Die Ausstellung im vierten Stock des Museums ist deshalb weit mehr als nur eine Heldenschau. Sie gliedert sich didaktisch klug in drei unterschiedliche Räume, die jeweils eigene Zugänge zur Person und ihrer Zeit ermöglichen. Raum eins liefert Fakten und Lebensdaten. Besucherinnen und Besucher begegnen hier einem faszinierenden Sammelsurium zwischen Kunst und Handwerk, zwischen Vorarlberg und Amerika, zwischen Realität und Mythos. Im Panoramaraum öffnet sich die Ausstellung dann zur Landschaft: Der Blick auf den Bodensee wird zur konkreten wie symbolischen Verortung der Geschichte.

Franz Plunder
Franz Plunder mit seiner zweiten Ehefrau. stadtarchiv bregenz

Der dritte Raum schließlich ist das absolute Highlight der Ausstellung: ein multimedialer Erlebnisraum, in dem ein körperlich spürbarer Wellengang eine immersive Begegnung mit Wind, Wasser und Risiko erzeugt. Meterhohe, auf drei Leinwände projizierte Wellen vermitteln das Gefühl, auf hoher See unterwegs zu sein. Ein Hörspiel, geschrieben und inszeniert vom Autor Felix Kalaivanan und gesprochen von Schauspieler Hubert Dragaschnig sowie Kollegen des Landestheaters, lässt die Strapazen einer Atlantiküberquerung lebendig werden. „Man fährt mit Plunder aufs Meer hinaus“, sagt Kurator Markus Barnay, „und wird zugleich mit sich selbst konfrontiert: Bin ich ein Träumer, ein Stubenhocker oder doch ein Abenteurer?“

Franz Plunder
Daniel Furxer

Die Ausstellung, die am kommenden Freitag eröffnet wird, läuft bis Oktober 2026 und ist bewusst als Langzeitprojekt angelegt. Sie wird sich im Laufe der Zeit verändern, weiterentwickeln und neue Formate integrieren. Ein besonderes Highlight folgt im kommenden Jahr: Originalschiffe von Franz Plunder werden 2026 im Bregenzer Hafen einlaufen – eine einmalige Gelegenheit, die legendären „Sowitasgoht“-Boote nicht nur als Modelle, sondern in Originalgröße zu erleben. Franz Plunders Traum lebt weiter – über das Museum hinaus, zurück aufs Wasser.