Österreich ist bei der Rückgabe Weltspitze

Kultur / 24.11.2023 • 16:15 Uhr
Eva Blimlinger sitzt im Aufsichtsrat der KUGES. <span class="copyright"> Philipp Simonis</span>
Eva Blimlinger sitzt im Aufsichtsrat der KUGES. Philipp Simonis

Eva Blimlinger über ihre Rolle im Aufsichtsrat der KUGES und die Lage der Künstler in Österreich.

Die Nationalratsabgeordnete und Kultursprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, war unter anderem Forschungskoordinatorin der Historikerkommission der Republik Österreich (1998–2004), Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien (2011–2019) und ist seit 2019 Abgeordnete zum Nationalrat und Sprecherin für Kunst & Kultur, Wissenschaft & Forschung, Medien, Öffentlicher Dienst, Gedenkpolitik, Antisemitismus und Rechtsextremismus sowie Vorsitzende im Kulturausschuss des Parlaments. Sie sitzt im Aufsichtsrat der KUGES.

Sie sind im Aufsichtsrat der Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft mbH (KUGES). Wie kam es dazu?
Die drei Häuser haben mich immer schon sehr interessiert, das Vorarlberger Landestheater, das Kunsthaus Bregenz und das vorarlberg museum, eines der besten und innovativsten Häuser Österreichs, vor allem was die Darstellung der eigenen Geschichte betrifft. Ich bin von den Vorarlberger Grünen in den Aufsichtsrat entsandt worden.

Sie sind ja eine Art Seismograf, da Sie sich in vielen Schnittstellen bewegen. Wie geht es den Künstlern in diesem Land?
Es gibt natürlich Sparten, wo es eine große Diskrepanz gibt. In der Bildenden Kunst gibt es auf der einen Seite Künstler wie Erwin Wurm, Johanna Kandl oder Heimo Zobernig und so weiter, und auf der anderen Seite gibt es jene, die sagen, sie wollen nicht auf den internationalen Kunstmarkt. Denen geht es mal besser, mal schlechter. Aber in den letzten 50 Jahren hat sich sehr viel verändert, und im Vergleich dazu geht es den Künstlerinnen und Künstlern heute besser (Stipendien, Ateliers im Ausland, Sozialversicherung, Pension). An der Akademie bewerben sich jedes Jahr ca. 1000 Personen, von denen ca. 150–170 aufgenommen werden. Daran sieht man auch, dass die Lebensbedingungen vielleicht nicht so gut sind, aber trotzdem möchten viele eine künstlerische Laufbahn einschlagen. In der Musik ist es anders, sehr schwierig für Komponisten und noch schwieriger für Komponistinnen. Ein Grundproblem ist auch immer noch das Spartendenken bei den Förderungen. Schauen Sie sich die Anwälte an, da gibt es Staranwälte, ca. 5–7 Prozent, und die anderen 93 Prozent der Anwälte machen Grundbuchsachen, Scheidungen, Erbschaften etc. Die verdienen auch nicht so viel wie die Staranwälte.

Sie waren ja eine geraume Zeit Vorsitzende für die Kommission für Provenienzforschung und stellvertretende Vorsitzende des Kunstrückgabebeirats. Wo steht Österreich in der Restituierung von arisiertem Kulturgut?
Österreich ist hinsichtlich Rückgabe Weltspitze! Ganz einfach, weil wir das einzige Land sind, das diesbezüglich ein Gesetz hat (seit 1998), was die Rückgabe von arisiertem Kulturgut betrifft. Wenn man es nach Objekten zählt, so sind es circa 70.000 Objekte, die bislang vom Bund restituiert worden sind.

Gibt es bestimmte kulturelle Einrichtungen oder Projekte in Vorarlberg, die Sie während Ihres Besuchs in Vorarlberg hervorheben möchten?
Die schon drei genannten Häuser, die hiesigen Galerien, die machen einen tollen Job, das Frauenmuseum in Hittisau, das Jüdische Museum in Hohenems und auch Festivals wie das Poolbar Festival, das hat mir großen Spaß gemacht, oder auch der Walserherbst. Und als Historikerin verfolge ich schon lange die großartige Arbeit der Johann-August-Malin-Gesellschaft und freue mich über das Deserteursdenkmal in Bregenz, eine ausgezeichnete künstlerische Arbeit.

Welche Botschaft möchten Sie den Kulturschaffenden in Vorarlberg und in ganz Österreich mitteilen?
Die Politik soll den Kulturschaffenden gar nichts ausrichten! Sie soll die Rahmenbedingungen schaffen, aber sie ist nicht dafür zuständig, was Künstlerinnen und Kulturmenschen machen und wie sie es machen.

Thomas Schiretz