Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Fünf Zeilen für Kultur

Kultur / 17.11.2023 • 19:21 Uhr

Die Hoffnungen der Kulturschaffenden, dass Einbußen beim laufenden Budget durch die Vorlage für 2024 zumindest ausgeglichen werden, scheinen sich nicht wirklich zu bewahrheiten. Es könnte im kommenden Jahr zumindest gleich eng für die verschiedenen Veranstalter und Künstlerinnen und Künstler werden. Im noch laufenden Jahr stand für Ausgaben im Bereich von „Kunst und Kultur“ eine Steigerung von gut zwei Prozent im Budget. Da wir aber gleichzeitig Inflationswerte von zehn Prozent und mehr hatten, war das im Ergebnis ein Minus von bis zu acht Prozent. Das hatte fatale Auswirkungen bei den Großen und den Kleinen. Kunsthaus und vorarlberg museum kürzten ihr Angebot um je eine Ausstellung, das Vorarlberger Landestheater um eine Inszenierung. Und dann gabs da natürlich noch die vielen anderen Kulturveranstalter, die mit den Finanzen nicht mehr zu Rande kamen. Ganz zu schweigen von einzelnen Künstlerinnen und Künstlern.

Es gab die Hoffnung, dass das Budget für das kommende Jahr diese finanzielle Drangsal etwas mildern könnte. Doch aus solchen Träumen wurde die gesamte Kultur am vergangenen Dienstag, als Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Landesrat Daniel Zadra (Grüne) die Zahlen für 2024 präsentierten, gerissen. Es gibt eine ausführliche Auflistung des geplanten Budgets über 23 Seiten (der definitive Beschluss muss erst im Landtag im Dezember gefasst werden), wobei der Kultur auf der letzten Seite fünf Zeilen (!) gewidmet sind. Dort heißt es: „Für die Kultur sind im Budget 2024 des Landes 55,7 Millionen Euro vorgesehen, das ist gleich viel wie im laufenden Budget.“ Das sitzt. Dann gab es nämlich letztes Jahr deutlich weniger und heuer gleich viel, was angesichts der hohen Inflation wieder weniger heißt.

Dem aber widerspricht der Leiter der Kulturabteilung, Winfried Nußbaummüller. Im gesamten Kulturbudget seien nämlich auch die der Wissenschaft zuzuordnenden Bereiche ebenso enthalten wie solche, die dem Hochbau oder der Finanzwirtschaft zugehörig seien. Das der eigentlichen Kulturabteilung zustehende Budget „belief sich bisher auf 25,1 Millionen und nun 2024 gerundet auf 27,7 Millionen, bringt also eine Steigerung von 10,5 Prozent“. Diese Steigerung komme zustande, weil der Beitrag für die Sanierung des Festspielhauses „mit einem deutlich geringeren Beitrag zu Buche schlägt“.

Wollen wir diese Steigerung von zehn Prozent also glauben. Dann bleibt aber immer noch das Problem, dass es im laufenden Jahr inflationsbereinigt eine Kürzung um acht Prozent gegeben hat, im kommenden Jahr wird es eine Steigerung von zehn Prozent geben, womit sich auf zwei Jahre gerechnet eine Steigerung von zwei Prozent ergibt. Wobei die Inflation des nächsten Jahres noch nicht eingerechnet ist. Wir stehen also mit dem Kulturbudget im kommenden Jahr bestenfalls dort, wo wir schon vor zwei Jahren waren. Und das ist, gelinde gesagt, traurig.

„Es gab die Hoffnung, dass das Budget für das kommende Jahr diese finanzielle Drangsal etwas mildern könnte.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.