Zwei Orgellandschaften Vorarlbergs

Kultur / 15.06.2023 • 14:38 Uhr
Das Cover des Buches von Grafiker Harald Schwarz.
Das Cover des Buches von Grafiker Harald Schwarz.

Eine Buchdokumentation umfasst die Orgeln des Bregenzerwaldes und des Kleinwalsertals.

SCHWARZACH Der in Höchst lebende Bruno Oberhammer ist auch im höheren Alter als einer der profiliertesten Organisten im Konzertleben des Landes präsent. In gleichem Maß wirkt er aber auch als versierter Orgelfachmann, der den Bestand der reichhaltigen Orgellandschaft unseres Landes aufarbeitet. Bereits 2016 erschien sein erster Band mit einer Dokumentation der 17 Orgeln im Montafon. Im neuesten Werk, das dieser Tage präsentiert wird, widmet er sich als versierter Musikwissenschaftler den Regionen Bregenzerwald und Kleinwalsertal mit der doppelten Anzahl von 34 Orgeln, deren Aufarbeitung von Oberhammer allein nicht zu bewältigen war. Er hat sich deshalb der Mitarbeit seines Kollegen Rudolf Berchtel versichert, der selbst aus Bezau gebürtig und als Kirchenmusiker in Dornbirn-St. Martin tätig. Ihm wurden die Instrumente des Hinteren Bregenzerwaldes und des Kleinwalsertales anvertraut.

Autor Bruno Oberhammer an seiner „Hausorgel“, der Rieger-Orgel in der Pfarrkirche Höchst.  <span class="copyright">Fritz Jurmann</span>
Autor Bruno Oberhammer an seiner „Hausorgel“, der Rieger-Orgel in der Pfarrkirche Höchst. Fritz Jurmann

Es war eine monatelange aufwendige Knochenarbeit, die die Autoren mit Nachforschungen in Pfarr- und Gemeindearchiven verbrachten, auch mit persönlichen Besichtigungen und Bespielung der einzelnen Instrumente, um deren aktuellen Zustand zu erfahren. Von den heutigen Orgeln in diesem Gebiet reichen die ältesten in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Bis dahin sind in den Pfarrarchiven meist nur Sänger erwähnt, die den Kirchengesang anleiten sollten, weil Orgeln schon damals kostspielige Anschaffungen für arme Gemeinden bedeuteten. Für eine solche Finanzierung sollen 1860 in Buch die männlichen Einwohner vom 16. bis zum 60. Lebensjahr sogar zu Frondiensten verpflichtet worden sein.

Der zweite Autor, Rudolf Berchtel, ist Organist und Chorleiter in Dornbirn-St. Martin. <span class="copyright">Christian Grabher</span>
Der zweite Autor, Rudolf Berchtel, ist Organist und Chorleiter in Dornbirn-St. Martin. Christian Grabher

Die heutigen Orgeln verschiedener Bauart und Altersstruktur im Bregenzerwald und Kleinwalsertal stammen hauptsächlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die meisten wurden in der Werkstätte des selbst aus dem Bregenzerwald gebürtigen Anton Behmann und dessen Sohn Josef erbaut. Manche von ihnen sind bis heute erhalten, teils sogar im Originalzustand wie jene von Sulzberg und Au. Die Beschreibung der Instrumente erfolgt in der Dokumentation mit wissenschaftlicher Sorgfalt unter Angabe der historischen Hintergründe.

Ein Unikat in der Orgellandschaft des Bregenzerwaldes ist die 1869 von Alois Schönach erbaute romantische Orgel von Hittisau.  <span class="copyright">Fritz Jurmann</span>
Ein Unikat in der Orgellandschaft des Bregenzerwaldes ist die 1869 von Alois Schönach erbaute romantische Orgel von Hittisau. Fritz Jurmann

Dazu liegt dem Bildband eine Doppel-CD bei mit historischen und neuen Ton-Einspielungen u. a. des ORF an den besprochenen Orgeln. Herausgeber ist der Heimatpflegeverein Bregenzerwald, die Präsentation erfolgt durch Clemens Morgenthaler von der Stella Vorarlberg, einem ausgewiesenen Organologen.

Fritz Jurmann

Präsentationstermine:

22. Juni ORF-Landesfunkhaus Dornbirn

1. Juli Pfarrkirche Bezau

2. Juli Pfarrkirche Hittisau

1. Oktober Pfarrkirche Riezlern

Beginn jeweils 20 Uhr.

In den Kirchen wird es zudem Orgelvorführungen durch die beiden Autoren geben.