Zugabe von Ines Strohmaier

Kultur / 23.12.2022 • 16:49 Uhr

Die Dächer färben sich weiß und im

Radio laufen wieder Wham und

Mariah Carey. In den Gassen der

Altstadt tummeln sich Menschen an

Weihnachtsmarktständen und suchen

nach perfekten Geschenken für ihre

Liebsten. Ich beobachte das

vorweihnachtliche Geschehen

und reflektiere.

Meine schönsten

Weihnachtserinnerungen führen mich

fast alle zurück in die Zeit, als der

Christbaum noch doppelt so groß

gewesen ist, wie ich selbst und ich

stundenlang damit beschäftigt war

Schneeflockenformen nachzumalen.

Ich erinnere mich, wie ich aus

Vorfreude alle Kerzen des

Adventkranzes schon Anfang

Dezember angezündet habe, in der

Hoffnung, dass dadurch das

Christkind schneller kommt.

Unsere sorgsam erstellte Wunschliste

legten mein Bruder und ich ans

Fenster, wo sie abgeholt wurde. Jedes

Jahr aufs Neue haben wir am 24sten

gewartet und alles daran gesetzt zu

sehen, wie das Christkind die

Geschenke bringt.

Auch mag ich mich erinnern an den

Duft frisch gebackener Vanillekipferl

und an den Versuch, heimlich welche

aus der Keksdose zu stibitzen.

Heute backe ich die Kekse selbst,

plane, wie ich mir meine

Weihnachtszeit einteilen kann, um sie

mit möglichst allen mir

nahestehenden Menschen verbringen

zu können und versuche, den

Erwartungshaltungen um mich herum

gerecht zu werden. Immer wieder

muss ich mich dabei erinnern, nicht

zu streng mit mir selbst zu sein. Ein Mensch kann nicht nur mehrere

Heimaten, sondern auch mehrere

Familien haben.

Weihnachten ist immer das, was wir

daraus machen.

Dieses Jahr möchte ich zu

Weihnachten Glücksmomente teilen

und die Freude im stimmigen,

wohltuenden Zusammensein

zelebrieren. Ich möchte das Fest der

Liebe wieder wie durch

Kinderaugen sehen und unbeschwert genießen.

Symbolisch für das Zusammensein

möchte ich hier noch einen schönen,

polnischen Brauch teilen. Für das

Weihnachtsessen wird immer ein

Teller mehr gedeckt, als Personen

anwesend sind. Schließlich könnte

es sein, dass eine bedürftige Person

an die Türe klopft oder dass jemand,

mit dem man nicht gerechnet hat,

sich dazugesellen möchte. Für mich

bedeutet dieser Brauch: Egal ob du

arm oder reich bist, Weihnachten

feierst oder nicht, an meinem Tisch

ist Platz für dich.