Ein heftiger Flirt auf der Bühne

Berührend, witzig und ohne Blatt vor dem Mund: Theater Karussell spielt „Blütenträume“ von Lutz Hübner.
Schaan, Nüziders Über 60 und aus verschiedenen Gründen gerade sehr einsam, das ist der gemeinsame Nenner von sechs Menschen, die in der Volkshochschule aufeinandertreffen. Begründet mit einem Unterrichtsausfall, aber wohl, damit es ein bisschen knistert, ergänzt eine Frau in den Vierzigern die Sesselreihe der „55plus-Flirtkurs“-Teilnehmer. Sie hat einfach noch nicht den Richtigen gefunden, während die anderen schon jahrelange Beziehungen mit zum Teil tragischem Ausgang hinter sich haben. Ihre Hoffnungen auf Inputs der Erfahrenen erfüllen sich allerdings nicht und auch die zertifizierten Coaching-Methoden des Kursleiters greifen nicht bei diesem Team, das Dramenautor Lutz Hübner in „Blütenträume“ zusammenführt und das allerdings nicht ohne Hoffnungsschimmer wieder auseinanderdriftet.
Das Theater Karussell, ein Ensemble von Amateuren und Profis aus der Region, das seit nahezu 20 Jahren Unterhaltendes mit Substanz anbietet, aber sich auch so Brisantem wie dem Kindesmissbrauch (mit „Das Fest“ von Vinerbberg/Rukov) annimmt, kehrt mit diesem Stück nach der Pandemie-Pause auf die Bühne zurück. Das Premierenpublikum im Schaaner Theater am Kirchplatz hat die Wahl mehr als nur goutiert, das heißt, lautstark gefeiert. Neben Aufführungen in Liechtenstein, sind Gastspiele in Nüziders, Chur, Mels, Vandans und Götzis geplant.

Die Ausstattung lässt es zu, viel mehr als ein Flipchart, ein bezeichnendes Gemälde von Edward Hopper, ein paar Stühle und dann noch ein Sofa braucht es nicht, für Buntheit und Charakterisierung sorgt Kostümbildnerin Kerstin Köck, die sich vor Klischees nicht fürchtet, weil sie ein adrettes Kostümchen der sich immer brav um die Familie gesorgten, nunmehrigen Witwe, den Strickpullover oder das Karo-Hemd der Handwerker und das mondäne Outfit der Managerin auch zu brechen versteht.
Auch dunkle Aspekte
„Blütenträume“ ist ein Konversationsstück, das rasche und gelegentlich auch beiläufige Einwürfe oder gar Verbalattacken verlangt. Diesen Mechanismus hat nicht nur die auch als Theaterproduzentin bekannte Profi-Schauspielerin Ute Hoffmann intus, Elke Schwald zeigt sehr schön, wie sich ein eher stilles Wasser zu regen beginnt, Karl Müller kommt ebenfalls gut in Fahrt und Thomas Hasslers Bühnenpräsenz begeistert schon seit vielen Jahren. Susanna Ackermann genießt die Entpuppung zum Showgirl, die der Inszenierung viel Pepp verleiht, Hanno Dreher lenkt die Überspanntheit, die Regisseur Marco Luca Castelli vom Tischler Ulf verlangt, berührend in ruhigere Bahnen, Stefan Bösch spielt sehr gut mit der Verliererkarte, die er laut Stücktext als Kursleiter erwischt hat und Dodo Büchel findet einen guten Ton für die dunklen Aspekte im überwiegend heiteren Stück. Es ist gut, die Schilderung der krassen Erfahrungen mit einem Alzheimerkranken nicht ausgeklammert zu haben und es ist angenehm zu beobachten, dass die ernsten Aspekte im Rahmen einer vergnüglichen Handlung wie die Einsamkeit oder das Bedürfnis nach körperlicher Nähe auch entsprechend behandelt bleiben.
Dass trotz schwieriger Probenbedingungen wegen Erkrankungen im Team eine derart kompakte Produktion entstehen konnte, ist beachtlich. Der erste Teil mit seinen kleinen Durchhängern und einem verzichtbaren, weil an sich entgleisten exotischen Tanz wird im Laufe der Aufführungen sicher noch mehr Drive bekommen.
Nächste Aufführungen am 19. März, 17 Uhr, im Schaaner TaK, am 20. März, 17 Uhr im Sonnenbergsaal Nüziders sowie weitere in Chur, Vandans, Götzis etc.:www.karussell.li
