In der damals noch verklemmten Kleinstadt

Kultur / 30.12.2021 • 16:39 Uhr
Jahre mit der Gitarre in FeldkirchFriedl Hanke, Heimatpflege- und Museumsverein Feldkirch ,275 Seiten

Jahre mit der Gitarre in Feldkirch

Friedl Hanke, Heimatpflege- und Museumsverein Feldkirch ,

275 Seiten

Dokumentation über Aspekte des Musiklebens in Vorarlberg.

sachbuch Herausgegeben vom Heimatpflege- und Museumsverein Feldkirch erschien 2021 der Erinnerungsband „Jahre mit der Gitarre in Feldkirch“ des Juristen Friedl Hanke, der darin seine „Erinnerungen an die Tanzmusikszene der 1960er und 1970er Jahre in und um Feldkirch“ niedergeschrieben hat. Hanke wagte schon mit 14 mit einem Gleichaltrigen den ersten Auftritt vor Publikum und hat als Gitarrist und Sänger in verschiedenen Tanzkapellen jahrzehntelang aktiv an der Tanzszene mitgewirkt. Seine sehr detaillierten Erinnerungen sind launig geschrieben, man merkt ihnen noch immer die Begeisterung des damaligen Jugendlichen an.

Hanke ist der Neffe des Rechtsanwalts und Schriftstellers Dr. Max Riccabona und schildert auch die musikalische Sozialisation im Haus der Großeltern, mit dem Bruckner verehrenden Großvater, dem Onkel Max, der ihm den amerikanischen Blues auf Schelllacks näherbrachte und mit seiner Mutter Dora, die selbst eine Gesangsausbildung hatte und von Schubertliedern bis zu Schnadahüpfeln alles sang. Eine wichtige Rolle spielten der Musikunterricht bei Hubert Marte und der Kontakt mit anderen musikbegeisterten Schülern im Fidelisheim, wie dem später berühmten Fotografen Sepp Dreissinger, der ein begnadeter Gitarrist war, mit Hermann Stadelmann (Stemmeisen und Zündschnur) oder mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier.

62 heimische Musikgruppen

Aufführungsorte wie die nicht mehr existierende Volkshalle oder die Schattenburg mit den legendären Pfadfinderredouten, die Rolle des Elektrogeschäftes Radio Lampert, wo Klaus Schöch Schallplattenverkäufer war und wo man sich technisches Equipment ausleihen oder auf Raten kaufen konnte, all das wird in Hankes Erinnerungen lebendig, genauso wie die musikalischen Vorbilder: die Spotnicks, die Beatles, die Rolling Stones, die Shadows, lateinamerikanische Musik u. a. Man staunt über den Wagemut dieser jungen Leute, die das „in unserer damals noch ziemlich verklemmten und konservativen Kleinstadt“ einfach nachspielten. Von der ersten richtigen Band, den Thunderbirds, über die Wyomings landete Hanke bei den vier Castellos, mit denen er bis 1982 spielte. Ein eigenes Kapitel ist den Sängerinnen der Castellos gewidmet. Das Buch bietet aber nicht nur nostalgische Erinnerungen, sondern zugleich ein Stück Feldkircher Popularmusik- und Jugendkulturgeschichte: reiches Fotomaterial, ein Verzeichnis aller erwähnten Titel und ausführliche Register – so werden etwa 62 heimische Musikgruppen oder 158 heimische Musiker angeführt – machen die „Jahre mit der Gitarre“ zu einer wertvollen Dokumentation. ul