Ein Atelier im Urwald

Claudia Mang aus Dornbirn wagte einen künstlerischen Ausflug in die Südsee.
Dornbirn, Innsbruck Es war Winter, als sie ins Flugzeug stiegen. Mit ihrer Familie reiste Claudia Mang vor einigen Jahren ins rund 16.000 Kilometer entferne Samoa. Dort absolvierte sie drei Monate lang ein Artist-in-Residence-Programm und leitete Kinder- und Familienkurse. In dem Kunstzentrum mitten im Urwald gelang es Mang, neue Zugänge zu finden und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. „In diesem isolierten Raum konnte ich mich von allem befreien und neue Perspektiven einnehmen. Kunst ist nicht an einen Ort gebunden, aber sehr wohl an das Umfeld“, sagt Claudia Mang. Als fruchtbar erwies sich auch die Interaktion mit anderen internationalen Künstlerinnen und Künstlern, mit denen sie sich das Atelier teilte. Zusammen konzipierten sie die Ausstellung „Colours of Samoa“, die in der neuen Galerie des Kunstzentrums gezeigt wurde. „Gemeinsam konnten wir neue Räume der Kunst betreten, die ich als wunderschön und aufregend empfand. Es war ein sehr wertvoller Austausch, sowohl fachlich als auch persönlich.“ So lernte die Kunstschaffende ein kreatives schwedisches Pärchen kennen. „Sie haben mich aufgefordert meine Arbeiten zu zerreißen und mich völlig loszulösen. Dieser Zerstörungsprozess war sehr befreiend und der Startschuss für neue großflächige Werke.“ Während des Aufenthalts probierte sie verschiedene Techniken aus und arbeitete zum Großteil mit Tusche, Bleistift, Kohle, Acryl und Ölpastell.
Sichtbar machen
Entstanden sind Werke, die das Lebensgefühl auf Samoa einfangen und die tägliche Realität von Frauen in den Mittelpunkt stellen. Daneben wurden Kokosnüsse, Palmen und die Landschaft zum Ausgangspunkt ihres Schaffens. „Die Natur war faszinierend und prachtvoll. Unsere Meeresausflüge empfand ich als sehr intensiv und sinnesberauschend. Die heiß-feuchte, nach Pflanzen, Urwald und Meer duftende Luft werde ich nie mehr vergessen.“ Claudia Mang gelang es, verschiedene Blickwinkel einzufangen und auch gesellschaftskritische Themen zu verarbeiten. Der Leiter des Kunstzentrums ermöglichte den Künstlerinnen und Künstlern die Teilnahme an Workshops mit Dorfbewohnern, die das Thema Gewalt an Frauen und Kindern zum Inhalt hatten. Ulrich Schwendinger, der Lebensgefährte von Mang, fing diese Momente filmisch und fotografisch ein. „Es hat mich fast zerrissen. Auf der einen Seite durfte ich mitten im Paradies arbeiten, auf der anderen Seite habe ich mitbekommen, dass viele Frauen und Kinder mit Gewalt konfrontiert werden.“ Nach längeren Überlegungen hat sie sich dazu entschieden, auch diese Umstände in Form von Werken zu verarbeiten. Durch die Teilnahme an einer heiligen Zeremonie konnte Mang mehr über den Kunstbegriff auf Samoa in Erfahrung bringen. „Dabei tätowiert ein Schamane Frauen und Männer in traditioneller Weise. Schlussendlich ist ein großer Teil des Körpers mit Tattoos bedeckt.“
Auszeichnung erhalten
Im Jahr 2019 erhielt Claudia Mang den Fritz-Gerber-Preis des Teams der Galerie Nothburga in Innsbruck. Die Ausschreibung erfolgt alle drei Jahre als anonymisierter Wettbewerb mit Unterstützung durch die Stadt Innsbruck und das Land Tirol in Erinnerung an die Galeriegründerin Elfriede Gerber. Als Preisträgerin wurde Claudia Mang nun die Ausstellung „Samoa: Traum und Wirklichkeiten – Ein Winter in der Südsee“ in der Galerie Nothburga gewidmet, die auch Arbeiten der Künstlergruppe auf Samoa umfasst. „Durch meine Zeit auf Samoa konnte ich meinen Horizont erweitern. Auch für meinen Sohn und Lebensgefährten war es eine einmalige Erfahrung. Insbesondere der Austausch mit den anderen Kunstschaffenden hat mir neue Zugänge eröffnet.“


Nach dem Lockdown wieder geöffnet: www.galerienothburga.at