Als Baustelle belassen

Kultur / 10.08.2021 • 18:35 Uhr
Darstellerische Lichtpunkte im Dunkel des Bergwerks bieten Lea Ruckpaul (Anna) und Marcel Kohler (Elis Fröbom). apa
Darstellerische Lichtpunkte im Dunkel des Bergwerks bieten Lea Ruckpaul (Anna) und Marcel Kohler (Elis Fröbom). apa

“Das Bergwerk zu Falun” von Hugo von Hofmannsthal bleibt eine etwas fragwürdige Ausgrabung.

Salzburg Die Stückwahl ist nachvollziehbar, denn zum nachgeholten 100-Jahr-Jubiläum der 1920 erstmals durchgeführten Salzburger Festspiele sollte deren Mitbegründer Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) nicht nur mit dem “Jedermann” und als Librettist von “Elektra” vertreten sein, die Bearbeitung des personenintensiven, erst 1949 in Konstanz uraufgeführten Werks ist eine Notwendigkeit, die Inszenierung wirkt allerdings nicht mehr als bemüht. Das ändert auch nichts daran, dass Regisseur Jossi Wieler (bekannt von Operninszenierung und als früherer Intendant der Oper Stuttgart) allen erfolgreich einimpfen konnte, angesichts der gespreizten Sprache bloß nicht zu deklamieren. Bühnenbildnerin Muriel Gerstner fiel nichts Besseres ein, als jene Hohlziegel, die zu Beginn mit viel Gedöns einen Einsturz markieren, pausenlos derart herumstapeln zu lassen, dass man froh ist, dass auch über der Bühne im Salzburger Landestheater eine eingedampfte englische Übersetzung des Textes mitläuft. So kann man verfolgen, was auf Deutsch akustisch (auch bei überprüft ausgezeichnetem Gehör) nicht durchwegs zu verstehen ist.

“Das Bergwerk zu Falun” ist ein typisches Fin-de-Siècle-Stück, in dem Hofmannsthal der Melancholie Literaturfähigkeit beimisst. Matrose Elis Fröbom verliert die Eltern, fühlt sich schuldig. Bis er den Lockungen des Untoten Torbern oder einer Bergkönigin folgt, mischt er noch in einer Bergarbeiterfamilie auf und schleicht sich ins Herz der jungen Anna. Der Abstieg ist jedoch vorprogrammiert und der Kern ist von E. T. A. Hoffmann und weiteren Erzählern bekannt, am Tag der vorgesehenen Hochzeit bleibt der Bergmann vermisst, Jahrzehnte später wird sein Leichnam, einer wahren Begebenheit folgend, unversehrt gefunden.

Neu gewichtete Frauenrolle

Das eigentlich Aufschlussreiche der Aufführung ist weder eine Neubehandlung des Mythenhaften (das an Peer Gynt erinnert), noch sind die psychologischen oder zeithistorischen Aspekte (für die Hildegard Schmahl einen Monolog schön durchtaktet) so eingeflochten, dass sie haften bleiben. Was wirkt ist interessanterweise wieder eine Neubehandlung der Frauenrolle. Anna entspricht ganz und gar nicht dem reinen, unerschütterlich liebenden Mädchen der klassischen Literatur, sie reift an der Auseinandersetzung mit Elis. Und weil Lea Ruckpaul und Marcel Kohler diese Momente so feingliedrig, klischeelos und durchaus zielgerichtet spielen, bleibt vom “Bergwerk zu Falun” etwas hängen. Ins Heute lässt sich das Stück wohl ohnehin nicht retten.

Weitere Aufführungen von “Das Bergwerk zu Falun” ab 11. bis 21. August bei den Salzburger Festspielen im Landestheater.