Freude über die Wiederbegegnung

Kultur / 09.08.2021 • 21:06 Uhr
Die Leiter Natalia Sagmeister und Alex Ladstätter mit Georgy und Alexander Kovalev und Sebastian Caspar. ju
Die Leiter Natalia Sagmeister und Alex Ladstätter mit Georgy und Alexander Kovalev und Sebastian Caspar. ju

Auch eine umständehalber verkleinerte Ausgabe von Klassik Krumbach hatte ihren Reiz.

KRUMBACH Auch für einen passionierten Konzertgeher gibt es kaum einmal einen Anlass, den man so glücklich verlässt wie die Matinee bei Klassik Krumbach. Weil rundum einfach alles gestimmt hat: das Programm, musiziert von einem jungen, hoch professionellen Ensemble, das Ambiente in der Kirche mit guter Akustik, ein mitfieberndes Publikum. Es war das zweite der beiden Konzerte, mit denen die als Intendanten tätigen Geschwister Natalia Sagmeister, Violine, und Alex Ladstätter, Klarinette, heuer ihr junges Festival Klassik Krumbach zumindest in einer Sparvariante fortsetzten.

Was wir hier seit fünf Jahren erleben, ist praktisch angewandte Kunst im ländlichen Raum. Gerade Krumbach hat vorgemacht, wie es richtig geht, im Einvernehmen mit der Bevölkerung als mutiges Projekt sieben von internationalen Architekten künstlerisch gestaltete „Bus-Wartehüsle“ zu kreieren. Zwei Jahre später wurde nach einem Konzert in einem Gespräch zwischen Ladstätter und dem Bürgermeister auch ein kleines, feines Klassik-Musikfestival in der gut tausend Seelen großen Gemeinde etabliert, das sich bald prächtig entwickelte und im Vorjahr nur durch die Pandemie gestoppt werden konnte.

Umso größer war allerseits die Freude auf die Wiederbegegnung. Nach einem umjubelten Auftakt mit spritziger ungarisch-französischer Kammermusik am Samstag ist die Kirche am Sonntag wieder voll besetzt. Diesmal geht es mit einer dramaturgischen Steigerung vom Trio zum Quintett vertieft weiter, in einer Konfrontation zweier Antipoden der Musikliteratur. Seitdem David Pountney 2010 bei den Festspielen die Oper „Die Passagierin“ von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) für die internationalen Bühnen entdeckte, findet auch dessen Kammermusik die Beachtung, die sie schon lange verdient. Krumbach sprang freudig auf diesen Zug auf und präsentiert sein wenig bekanntes Streichtrio op. 48 von 1950, ein rhetorisch wunderbar durchformuliertes Werk. Natalia Ladstätter, Violine, arbeitet gemeinsam mit den beiden russischen Brüdern Georgy und Alexander Kovalev, Viola und Violoncello, die expressive Dichte und die messerscharfen Akzente des Werkes heraus, lässt mit süßem Ton den elegischen zweiten Satz aufblühen, sorgt mit der Wucht der Pizzicati und dem Spiel mit leeren Quinten für Erstaunen. Im marsch­artigen dritten Satz lässt sich eine deutliche geistige Verwandtschaft mit Schostakowitsch erkennen, der Weinberg als einen der Großen seiner Epoche ansah und zu seinen Wegbegleitern zählte.

Jubelndes Publikum

In die samtene Welt einer leidenschaftlich glühenden Romantik nimmt das Ensemble dann mit im populären Klarinettenquintett h-Moll op. 115 von Brahms. Trotz seines Namens ist es eigentlich kein Klarinettenkonzert, und so integriert sich Alex Ladstätter klanglich und dynamisch mit samtenem Ton und feinen Abstimmungen in allen Registern auch als Teil des Ganzen in die dicht verwobene Stimmführung des Werkes, als erträumbare Einheit des Klangs, des Atmens und Denkens von fünf Musikern, die gemeinsam mit Sebastian Caspar an der zweiten Violine ganz und gar aufgehen im Geiste Brahms‘. Der Jubel will kein Ende nehmen, es gibt als Zugabe noch einen der Slawischen Tänze von Dvorák.