Ein Orgelbaumeister wie aus dem Bilderbuch

In erster Linie war es der Klang seiner Instrumente, der Martin Pflüger so erfolgreich werden ließ.
Tosters Der Ruhm bedeutender Erbauer von Musikinstrumenten überdauert Jahrhunderte, denken wir nur an Namen wie Stradivari, Amati, Silbermann und viele andere. Das zeugt vom Rang dieser Kunst, wobei der Orgelbau wegen seiner Komplexität eine besondere Stellung einnimmt. Ein guter Orgelbauer muss perfekter Schreiner, Metallbearbeiter, technischer Konstrukteur und Zeichner, architektonisch und historisch informiert sein, vor allem aber auch ein Künstler, der den Klang einer Orgel durch vielfältige Maßnahmen zu dem macht, was sie dann eben ist.
Ein solcher Orgelbaumeister, quasi wie aus dem Bilderbuch, war Martin Pflüger (1941-2021). Er ist im Alter von 79 Jahren verstorben. In seiner Person vereinigten sich alle genannten Aspekte in seltener Perfektion. In erster Linie war es jedoch der Klang seiner Instrumente, der ihn so erfolgreich werden ließ.
Gleich ein Meisterwerk
Nachdem er sich selbstständig gemacht hatte, baute er 1983 noch in seiner Garage nach einigen kleinen Instrumenten seine erste zweimanualige Orgel für die Pfarrkirche in Hörbranz. Und sie wurde gleich ein Meisterwerk. (Ihr Klang ist auf einigen meiner LPs und CDs festgehalten.) Und dann kamen die Aufträge aus dem ganzen Land, aus Innerösterreich und später auch aus dem Ausland, bis aus Warschau, Wladiwostok, Japan, auch aus Deutschland und der Schweiz. Das führte dazu, dass die Firma in ihren besten Jahren und inzwischen in einer neu erbauten Halle arbeitend, Lieferzeiten von bis zu sechs Jahren hatte. Mit seinen drei Söhnen, die alle diplomierte Orgelbaumeister sind und einigen weiteren Mitarbeitern erbaute er insgesamt 186 Instrumente. Davon seien nur einige wenige erwähnt: Landeskonservatorium Feldkirch, Schruns, Basiliken Rankweil und Mariazell, Neuer Dom Linz, Musikuniversität Graz, Großmünster Zürich, Meran usw.
Der Vorarlberger Orgelbau besitzt überregional und international einen ausgezeichneten Ruf, vor allem auch durch die „große“ Firma Rieger in Schwarzach, deren Instrumente weltweit in vielen Domen und Konzertsälen in beeindruckender technischer, architektonischer und klanglicher Qualität stehen.
Aber auch die „kleinere“ Werkstätte Pflüger hat ihren Anteil an diesem Ruf, vor allem in Österreich.
Noch ein Wort zum Menschen Martin Pflüger. Er war ein absolut integrer, großzügiger, klarer und direkter Mann. So konnte er schon einmal aus zwei Metern Höhe aus einer Orgel springen und einem Architekten oder Denkmalamtbeamten zurufen: „Der Orgelbauer bin immer no i.“ Aber genauso machte er vor Weihnachten alljährlich eine Stimmtour zu allen seinen Vorarlberger Orgeln. Er stimmte die Instrumente kostenlos als sein Weihnachtsgeschenk an die Gemeinden.
Der unerwartete, plötzliche Tod von Martin Pflüger hat viele Organisten und Pfarrgemeinden traurig gemacht, zugleich aber auch mit Dank für seine schönen Instrumente erfüllt. Ich persönlich bin überzeugt, dass einige seiner Orgeln und vorbildlichen Restaurierungen historischer Instrumente auch nach hundert und mehr Jahren wertgeschätzt werden.