Stickereizentrum trumpft als Kunstraum auf

Das Dock 20 zeigt ein beachtenswert dichtes Programm und setzt auf junge Kunst.
Lustenau Eröffnet wurde das Jahr im Dock 20 unter der Leitung von Claudia Voit mit der historischen Ausstellung „Bauerbe Lustenauer Stickereihäuser“, die in Kooperation mit dem Historischen Archiv Lustenau realisiert wurde. Sie richtet den Blick auf die Architekturgeschichte Lustenaus, die, wie berichtet, stark durch die lokale Industrie und insbesondere die Textilbranche geprägt wurde. In umfangreicher und sorgfältiger Recherche wurden erstmals eine vollständige Katalogisierung und Kartografierung der typischen Lustenauer Stickerhäuser realisiert, begleitet von umfassendem Begleitmaterial aus den Archiven sowie Bauakten. Der Katalog, der begleitend zur Ausstellung erschienen ist, dokumentiert sämtliche Ausstellungsinhalte mit Fotografien von Lukas Hämmerle und Max Fetz sowie Texten von Oliver Heinzle und erhält zusätzlich Essays von Wolfgang Fiel und Verena Konrad.
Konventionen auf dem Prüfstand
Der zweite Termin ab 8. Mai ist für den gebürtige Vorarlberger Sebastian Koch (geb. 1986) und die Wienerin Melanie Ender (geb. 1984) reserviert. In ihren Arbeiten loten sie die formalästhetischen Grenzen und Bedingungen ihres malerischen und bildhauerischen Vorgehens aus und stellen künstlerische Konventionen nicht selten auch auf humorvolle Art auf den Prüfstand. Die für Herbst angesetzte große Gruppenausstellung versammelt vorrangig Videoarbeiten und digitale Kunst, die sich mit Migration, Alterität und strukturellem Rassismus auseinandersetzen. Die Arbeiten reflektieren mitunter biografisch, teilweise aber auch in abstrahierter Form die Entstehung gesellschaftlicher Normalitäten und eröffnen neue Perspektiven. Die Schau mit geplanten Beiträgen von Cana Bilir-Meier, Huda Takriti, Theo Eshetun, Arthur Jafa und Andreas Angelidakis wird ergänzt durch ortsspezifische Beiträge der diesjährigen Residency-Stipendiatinnen und Stipendiaten.
Kooperation mit Museum
Den Jahresabschluss widmet die Kunsteinrichtung der Malerin, Zeichnerin und Autorin Gesine Probst-Bösch (1944-1994). In einer umfangreichen Retrospektive versammelt die Ausstellung „Zehn Pfeile, ein Herz und eine Seele“, die in Kooperation mit dem Vorarlberg Museum realisiert wird, malerische und zeichnerische Arbeiten der Künstlerin aus ihrem Nachlass. Zum ersten Mal wird damit eine derartig umfassende Aufarbeitung ihres abwechslungsreichen Œuvres stattfinden. Die Künstlerin, die lange in Vorarlberg lebte und deren Biografie gezeichnet war von vielen Umbrüchen, erlaubt in ihren Arbeiten einen tiefen Einblick in ihr Inneres und erschuf somit eine Malerei, die häufig spielerisch und dennoch mit ausgeprägter Präzision ihre Wahrnehmung der Welt wiedergibt.
Begleitet wird diese Retrospektive durch einen ausführlichen Katalog, mit dem eine kunsthistorische Einordnung der Arbeiten von Gesine Probst-Bösch vorgenommen wird, sowie durch einen Film, der über die bildende Kunst hinaus auf das Leben der Künstlerin und ihr Werk eingeht.
Dock 20 im Jahr 2021
Lustenauer Stickerhäuser
Bis 18. April
Melanie Ender und Sebastian Koch
8. Mai bis 4. Juli
Zur Idee der postmigrantischen Gesellschaft
4. September bis 24. Oktober
Gesine Probst-Bösch
13. November bis 16. Jänner
Die Ausstellungen im Dock 20 (Kunstraum und Sammlung Hollenstein) in Lustenau, Pontenstraße 20, sind Fr, Sa, So und Feiertage, 15 bis 19 Uhr, geöffnet.