Der Bregenzerwald ­kompakt

Kultur / 18.12.2020 • 18:19 Uhr
Wäldar ka nüd jedar sin!Alois Niederstätter,Universitätsverlag Wagner

Wäldar ka nüd jedar sin!

Alois Niederstätter,

Universitätsverlag Wagner

Ein kenntnisreicher Blick auf eine Region.

sachbuch Mit seiner „Geschichte des Bregenzerwalds“ legt Alois Niederstätter, der ehemalige Leiter des Vorarlberger Landesarchivs, eine bündige Arbeit in Form eines gut lesbaren Buches vor.

Mit dem Autor wundert man sich, dass es bei der eigenständigen Ausprägung dieser Region nicht schon längst eine zusammenfassende Darstellung gibt. Der Autor lädt ein zu einem zügigen Marsch durch Geschichte und Landschaft, bei dem an interessanten Stellen, bei prägenden Menschen und bemerkenswerten Ereignissen halt gemacht wird. Einige einleitende Seitenblicke erleichtern die Einordnung des Kommenden. Dass es um die Leute mindestens ebenso geht wie um die Landschaft, darauf verweist der Titel: Dass nämlich die Bewohner der von ihnen selbst als „Wald“ bezeichneten Region, ein starkes Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, ja ihrer exklusiven Besonderheit entwickelt haben; und das trotz traditioneller dörflicher Rivalitäten.

Die Arbeit beruht auf dem aktuellen geschichtlichen Wissensstand, ohne diesen in der Breite zu diskutieren und quellenmäßig detailliert auszuweisen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis zeigt aber das Fundament, auf dem der gelungene Überblick fußt. Nach welchem Kriterium die verzeichneten Werke gereiht wurden, erschließt sich dem Leser aber kaum.

Abgeklärte Gelassenheit

Niederstätters kenntnisreicher Blick auf den Bregenzerwald ist durchaus kritisch, durchgehend wird aber spürbar, dass er mit Wohlwollen die Erzählstränge zu einer kompakten Textur webt. Die stereotypen Mythen – beispielsweise die Mär von der Bauernrepublik – werden mit guten Argumenten hinterfragt, nicht eifernd zerstört. Eine abgeklärte Gelassenheit durchzieht die gesamte Darstellung, die nichts hat von der anpreisenden Lautstärke der Tourismuswerbung, wohl aber auch den Touristen einen realistischen und spannenden Einblick in das Wesen und Werden des Bregenzerwaldes bietet. Den liebgewonnen Selbstzuschreibungen der Wälderinnen und Wälder werden bisweilen externe Sichtweisen gegenübergestellt. Neben positiven Entwicklungen werden stets auch strukturelle Probleme aufgezeigt. Dies aber immer in einem abwägenden Ton, denn – so der versöhnliche letzte Satz des Buches – „Schwächen können auch Stärken sein“.

Wer sich für die Geschichte des „Waldes“, für seine Menschen sowie für seine politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse interessiert, hat einen kompetenten Reiseführer zur Hand. MP