Symphonieorchester ist “kultureller Nahversorger”

Kultur / 29.10.2020 • 11:00 Uhr
Symphonieorchester ist "kultureller Nahversorger"
Beim Symphonieorchester Vorarlberg will man alles ausloten, um spielen zu können. BF/MATHIS

Das Symphonieorchester Vorarlberg setzt auf Zusammenhalt und plant die Saison weiter.

Bregenz Ende September hat es das Symphonieorchester Vorarlberg hart erwischt, einen Tag vor dem ersten großen Konzert in der Herbstsaison musste das gesamte Projekt mit allen Terminen aufgrund der kurzfristig verordneten weiteren Publikumsbeschränkungen sowie erschwerter Reisebedingungen abgesagt werden. Auch dieses Konzert – auf dem Programm waren Werke von Barber, Haydn und Bernstein – will man nachholen, vorerst richtet sich der Fokus aber auf die Weiterführung der Zusammenarbeit mit dem international gefeierten Dirigenten Kirill Petrenko. Die Realisierung des Mahler-Zyklus wurde vor Jahren gestartet und ließ die auf die ersten Studienjahre zurückgehende Verbindung von Petrenko mit Vorarlberg immer wieder aufleben. Die Aufführung der 9. Symphonie von Gustav Mahler ist am 27., 28. und 29. November geplant, dabei werden je zwei Konzerte im Montforthaus in Feldkirch und im Festspielhaus in Bregenz stattfinden.

Die Konzerte mit Kirill Petrenko sollen am 27., 28. und 29. November stattfinden. <span class="copyright">Mathis</span>
Die Konzerte mit Kirill Petrenko sollen am 27., 28. und 29. November stattfinden. Mathis

Man könne, wie SOV-Geschäftsführer Sebastian Hazod im Gespräch mit den VN betont, Ankündigungen immer nur mit dem Zusatz „aus heutiger Sicht“ machen. Auch wenn nicht abschätzbar ist, wie sich die Infektionszahlen entwickeln und welche Maßnahmen die Behörden treffen, werde weiterhin geplant. Laut Verordnung vom vergangenen Freitag ist es möglich, bei einzigartig qualitätsvollen Veranstaltungen im Kulturbereich mehr als 250 Besucher zuzulassen. Das SOV hat ein Präventionskonzept ausgearbeitet, in dem alle Abstandsregeln sowie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der gesamten Veranstaltung enthalten sind.

Ein Auftrag

Die momentanen Verluste zu beziffern, mache wenig Sinn, erklärt Hazod, denn alles hänge von der Bilanz des gesamten Kalenderjahres ab. Die Unterstützungssummen, die mittlerweile vonseiten des Kulturministeriums kamen, seien bislang wertvolle Hilfen gewesen. Das Symphonieorchester erfahre aber auch viel Rückhalt aus der Bevölkerung bzw. von den Musikfreunden. Viele Abo- und Kartenbesitzer haben das Eintrittsgeld für die bislang abgesagten Konzerte nicht zurückgefordert. Dieser Zusammenhalt bestimme auch das Handeln. „Wir sind der kulturelle Nahversorger“, betont Hazod. „wir verstehen es als großen Auftrag, alles auszuloten, was irgendwie möglich ist, um spielen zu können.“

2021 wird hart

Aller Voraussicht nach werde man gut durch das Jahr 2020 kommen, das nächste Jahr werde aber hart. Ein besonders dicker Brocken ist die Opernproduktion mit dem Vorarlberger Landestheater. „Jephtha“ von Georg Friedrich Händel will man im März 2021 realisieren. Mit Intendantin Stephanie Gräve und Werner Döring, Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft, gebe es eine ausgezeichnete Gesprächsbasis. Obwohl die Oper wesentlich teurer ist als ein Abo-Konzert, werde man die Musiktheaterproduktionen auf keinen Fall aufgeben, das Vertragswerk, das zwischen dem SOV und dem Landestheater vor einigen Jahren abgeschlossen wurde, werde man aber gemeinsam durchsehen und überarbeiten.

Neue Musik

Wesentlich beteiligt ist das Symphonieorchester Vorarlberg auch am demnächst stattfindenden, neuer Musik und Literatur gewidmeten Festival Texte & Töne, das gemeinsam mit dem Ensemble Plus, der Vereinigung Literatur Vorarlberg und dem ORF Vorarlberg veranstaltet wird. Zur Aufführung kommen unter anderem Werke von Georg Friedrich Haas, Wolfgang W. Lindner, Gerda Poppa, Johannes Wohlgenannt-Zincke und Gerald Futscher.

Festival Texte & Töne am 7. November ab 15 Uhr in der Kulturbühne Ambach in Götzis