“Bernhard ist ein Prophet”

Claus Peymann inszeniert Thomas Bernhard an der Josefstadt und kritisiert die Politik.
Wien Theater-Altmeister Claus Peymann (83) stellt dem Umgang der Politik mit der Corona-Krise eine schlechte Note aus. Er habe den aus seiner Sicht widersprüchlichen Maßnahmen misstraut und sehe sich jetzt darin bestätigt. Trotzdem habe er seine Zeit größtenteils alleine in Berlin-Köpenick verbracht, sagte der frühere Leiter des Berliner Ensembles und der ehemalige Direktor des Wiener Burgtheaters. “Ich hätte mir von Anfang an auch mal ein: “Wir wissen es nicht!”, ein ehrliches, offenes Wort der Politiker gewünscht. Stattdessen überboten sie sich mit ihren Angstszenarien, Maßnahmen und leider auch: Wahlkampfauftritten”, kritisierte Peymann. “Die Spargelstecher wurden dann aus Osteuropa eingeflogen, während die Flüchtlinge in Moria unter den erbärmlichsten Bedingungen ausharren müssen. Welch ein Armutszeugnis.”
Peymann kehrt mit Thomas Bernhards Dramoletten “Der deutsche Mittagstisch” (Premiere am 17. September im Theater in der Josefstadt) als Regisseur nach Wien zurück. Die Themen seien in Europa brandaktuell: “Das Wiederaufflammen von nationalsozialistischen Gedanken, verdeckter Rassismus und Antisemitismus bis in die höchsten Kreise, bis hin zu den Ewig-Gestrigen, die wieder Nazilieder singen”, sagte er. “Bernhard ist ein Prophet. Er hat vorausgesehen, wohin die Chose läuft. Und er hat leider recht behalten.”