Verliebt in den Klang der Gitarre

Musik ist für den Konzertgitarristen Alexander Swete mit vielen Emotionen verbunden.
Hörbranz Von klein auf hat ihn die Leidenschaft für die Gitarre gepackt, ihn später über internationale Wettbewerbe als gefeierten Solisten um die Welt geführt. Seit 2014 lehrt Alexander Swete als Professor für das Gitarre-Konzertfach an der Musikuniversität Wien, mit Konzerten gastiert er auch immer wieder in seiner Heimat.
Sie haben Ende Mai in St. Arbogast als erstes Ensemble nach zweieinhalb Monaten Lockdown wieder live im Land musiziert – mit welchem Gefühl?
Es war für mich eine große Überraschung, wie gierig die Leute bei diesem Auftritt waren nach einem echten Konzerterlebnis, dem unmittelbaren Kontakt mit den Musikern und der Spontaneität und Unberechenbarkeit eines Liveevents. Es war für viele einfach so etwas wie eine Erlösung aus dieser von Angst, Sorge und Horrormeldungen geprägten intensiven Zeit. Und da hat Klaus Christa als unglaublich enthusiastischer Musikvermittler die Gelegenheit ergriffen, den Menschen so etwas zu bieten, und ich habe spontan mitgemacht. Es war berührend in dieser tollen Atmosphäre.
Wie hat sich die Coronakrise auf Ihren Beruf als Lehrer und auf Ihre Konzerttätigkeit ausgewirkt?
Der Lockdown hat mich genau in der für mich intensivsten Konzert- und Reisetätigkeit erwischt. Da waren die wichtigen Prüfungen an der Uni, wir wollten eine neue CD mit unbekannten Gitarrenquartetten von Paganini einspielen, es wären Konzerte in Rom, Zagreb und in Österreich geplant gewesen. Mit dem Lockdown haben wir an der Musik-Universität Wien, wo ich eine Klasse mit zwölf Studenten leite, auf Online-Unterricht umgestellt.
Auf welche Weise ist die Gitarre zur Leidenschaft Ihres Lebens geworden?
Die Gitarre mit ihrem Klang hat mich schon als Kind fasziniert und ich wollte nie etwas anderes als Profimusiker werden. Mit zehn erhielt ich die erste Gitarre, und seitdem ist das mein Instrument. Am Konservatorium Bregenz war Georg Gaupp-Berghausen für mich die erste prägende Persönlichkeit, von dem ich das Grundlegende gelernt habe, nicht technisch, aber musikalisch. Dann bin ich mit 20 zu Konrad Ragossnig für ein sechsjähriges Studium in Konzertgitarre an die Musikhochschule Wien gekommen. Das ist jenes Haus, an dem ich heute selber als sein Nachfolger unterrichte – mit viel Begeisterung.
Zuvor waren es drei internationale Wettbewerbe, die Ihnen die große weite Musikwelt eröffnet haben?
Der erste war in Havanna, ich war 23 und hatte noch nie ein Flugzeug betreten. Und dort musste ich nun gegen Konkurrenten aus 30 verschiedenen Ländern antreten, erstmals auch mit Orchester. Was mach‘ ich da, dachte ich, der arme Bub aus Hörbranz? Doch plötzlich war ich im Finale und wurde Dritter. Nach diesem Startschuss kam der ARD-Wettbewerb in München mit einem Mammutprogramm, und ich wurde Zweiter. Beim dritten Wettbewerb 1991 in Paris waren einhundert Teilnehmer, und dort wurde ich dann Erster. Dieser Preis war verbunden mit vielen Konzertauftritten. Es war toll, ich konnte gut leben, habe viele Leute kennen gelernt. Die Gitarre hat mich durch die ganze Welt geführt.
Welche Eigenschaften verlangen Sie von Ihrer Gitarre?
Als konzertierender Musiker war es für mich wichtig, dass ich ein universell einsetzbares Instrument habe, das eine große Breite an Stilen im Repertoire bis zur Neuen Musik abdeckt, das sehr farbenreich ist und einen warmen Grundklang hat, der meiner Vorstellung entspricht.
Was sagen Sie einem jungen Menschen, der Sie fragt: Wie wird man ein berühmter Gitarrist?
Talent setzen wir voraus, das sind aber nur zehn Prozent. Der weit größere Teil ist das Sitzfleisch. Man muss den unbedingten Willen haben, mit Begeisterung bis ins kleinste Detail an der Musik zu arbeiten und sie zu perfektionieren, auch wenn es Stunden und Wochen dauert. Wenn man aber mehr „Work-Life-Balance“ im Sinn hat, dann kann man das vergessen.
Wo fühlen Sie sich mehr beheimatet – in Wien oder in Vorarlberg?
Ich lebe seit 36 Jahren in Wien, meine Kinder sind dort geboren und meine Frau stammt aus Lochau. Ich bin in Wien natürlich heimisch, aber ich fühle mich trotzdem als Vorarlberger und verbringe auch meine Urlaube gerne hier im Land.
Sie wirken bei Ihrem Spiel immer total entspannt. Kann Sie nichts aus der Ruhe bringen?
Der Eindruck täuscht, denn ich leide sehr unter Lampenfieber, das mich vom ersten Moment an begleitet hat. Aber eine minutiöse Vorbereitung hilft mir sehr, und auch mit dem Alter wird es besser. Ich empfinde es heute als großes Geschenk, dass ich die Musik und den flüchtigen und einzigartigen Moment des Konzertes mit dem Publikum teilen darf. Fritz Jurmann
ALEXANDER SWETE
Geboren 3. November 1964 in Bregenz
Ausbildung Landeskonservatorium Bregenz bei Georg Gaupp-Berghausen, Wiener Musikhochschule bei Konrad Ragossnig
Tätigkeit Konzerte solistisch, kammermusikalisch und mit Orchestern auf der ganzen Welt, 2005 – 2015 Gastprofessor in Sarajewo, seit 2014 Professor an der Musik-Universität Wien
Familie Lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Wien