“Wesentlich ist die Zukunft”

Kultur / 15.07.2020 • 21:33 Uhr
Wolfgang Fetz vor dem Palais, wo nun Sammlungsbestände der Stadt gezeigt werden. Die öffentliche Präsenz einzelner Werke ist zu diskutieren.  Vn/Paulitsch
Wolfgang Fetz vor dem Palais, wo nun Sammlungsbestände der Stadt gezeigt werden. Die öffentliche Präsenz einzelner Werke ist zu diskutieren.  Vn/Paulitsch

Der ehemalige Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz kennt die Sammlung der Stadt Bregenz gut.

Bregenz Er hatte ein Selbstporträt von Rudolf Wacker im Büro und nach der Aushebung eines Depotkellers in Schendlingen, in dem die Kunstwerke nicht sachgerecht gelagert wurden, auch die Wacker-Büste von Albert Bechtold. Nahezu 30 Jahre war der Kunsthistoriker Wolfgang Fetz (geb. 1958) als Leiter des Kulturamtes der Landeshauptstadt Bregenz tätig. Es war die Zeit, in der das Kulturleben im Land durch verschiedene Impulse eine Aufwertung erfuhr. Die Bregenzer Festspiele unternahmen den maßgeblichen Schritt zur Internationalisierung, neue Theaterensembles wurden gegründet, ein eigenes Symphonieorchester begann sich zu etablieren und die bildende Kunst war das Thema schlechthin.

Zur Diskussion stand die Errichtung einer Landesgalerie, mit der die regionale, aber auch die zeitgenössische österreichische Kunst einen Ort quasi als Fenster in den Westen haben sollte. Wolfgang Fetz war intensiv in den Prozess involviert und auch er ist absolut davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, das 1997 eröffnete Kunsthaus Bregenz nach dem Architekturwettbewerbssieg von Peter Zumthor international auszurichten und zu dem werden zu lassen, was es nun ist, ein renommiertes Haus der Gegenwartskunst, das neben den Kunstadressen in den Metropolen stehen und bestehen kann.

Konzepte für eine Landesgalerie

Die Geschichte dieses Hauses steht auch im engen Zusammenhang mit der Sammlung der Stadt Bregenz, in die mit der Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis bis Ende August ein Einblick gewährt wird. Die gezeigten Werke sind weitgehend von hoher Qualität, es ist eine höchst sehenswerte Schau, doch der historische Hintergrund wird kaum thematisiert. Im Gespräch mit den VN hat Wolfgang Fetz auf Interessantes zu verweisen. Und damit wären wir wieder beim Keller in Schendlingen, aus dem er die Arbeiten erst einmal befreite und in konservatorisch aufgerüstete Räumlichkeiten überwies. Da er damals noch rauchte, wurde auch das erwähnte Wacker-Porträt in seinem Büro durch ein weniger empfindliches Werk ersetzt. Angekaufte Kunstwerke in Amtsstuben, Verwaltungsräumlichkeiten oder beispielsweise auch in Krankenhäusern oder Pflegeanstalten aufzuhängen, war gängige Praxis, eine Ausstellung mit Arbeiten aus der Sammlung hatte er vor Jahren einmal kuratiert. Die Errichtung eines städtischen Museums war, wie Fetz bestätigt, aber nie ein Thema, sehr wohl aber wurden Konzepte zur Präsentation im Landesmuseum erarbeitet, die sich im Zuge des Neubaues komplett zerschlagen haben. „Die Arbeiten von Rudolf Wacker aus dem Bestand der Stadt Bregenz mit jenen aus der Sammlung des Landes zusammenzuführen, das hätte schon etwas hergegeben. Dasselbe gilt für Angelika Kauffmann.“

Kleines Ankaufsbudget

Zudem gab es die sogenannte Österreichische Galerie im Festspielhaus, für die ein Sonderbudget bereitgestellt wurde und für die etwa Oscar Sandner, der Vorgänger von Wolfgang Fetz, Werke ankaufte. Dazu kamen Leihgaben des Bundes. Das Festspielhaus erwies sich allerdings schon vor dem Umbau nicht als günstiger Platz, denn bei der Nutzung für verschiedene Kongresse wurden die Bilder immer wieder ab- und umgehängt, was ihnen nicht gut getan hat. Fetz selbst hatte bei den Ankäufen den Fokus auf die zeitgenössische Kunst gelegt, auch die Bildhauer berücksichtigt, „die Frage, was wichtig sein wird, stand im Vordergrund“. Mit einem Budget von 6000 Euro und zuletzt in seiner Zeit 8000 Euro im Jahr sei allerdings nicht sehr viel machbar gewesen. Außerdem sollte auch Bedacht darauf genommen werden, mit dem Ankauf örtliche Galeristen zu fördern und Künstlern gegebenenfalls zu helfen, pekuniäre Engpässe zu überbrücken.

Ab und zu konnten jedoch zusätzlich Sonderbudgets für die bildende Kunst freigeschaufelt werden. Auch im Zuge von besonderen Projekten verblieb einiges vor Ort. Und somit ist die Stadt Bregenz und damit die Öffentlichkeit im Besitz zahlreicher guter Kunstwerke. „Nur im Dunkeln liegend bringt die Sammlung allerdings nichts“, betont Wolfgang Fetz, der, wie man weiß, auch im Magazin 4 ab den 1990er-Jahren einen internationalen Kunstort mit großer Strahlkraft eingerichtet hat, den es mittlerweile schlicht und einfach nicht mehr gibt. Er plädiert bei der nun vorgenommenen Rückschau für den Blick in die Zukunft: „Ich bin auch der Meinung, dass sich eine Städtische Galerie im klassischen Sinn überlebt hat, aber Stadt und Land sollten im Interesse der Künstlerinnen und Künstler gemeinsam an einem Strang ziehen und schauen, was die Sammlungen hergeben. Da könnte etwas Tolles erreicht werden“.

Der Fall Turner

Apropos Anekdoten und Fragwürdiges: In die Zeit von Oscar Sandner reicht der Vorfall zurück, dass die politisch Verantwortlichen mit William Turner absolut nichts anfangen konnten, als die Chance bestand, eine Ansicht vom Gebhardsberg des britischen Künstlers (dessen Namen die Zuständigen nicht einmal aussprechen konnten) für eine verkraftbare Summe zu erwerben. Auch eine Skulptur von Henry Moore hätte man vor Jahrzehnten zum Materialpreis haben können. Wolfgang Fetz hatte zuletzt noch ein Kunst-am-Bau-Projekt in Schendlingen von Olaf Nicolai ausgearbeitet. Der Arbeit des documenta-Teilnehmers wurde auch zugestimmt. Nach Fetz’ Ausstieg aus dem Kulturamt im Jahr 2016 hat man die Pläne ad acta gelegt. Nicolai erhielt, wie Fetz in Erfahrung brachte, nicht einmal eine Absage.

„Stadt und Land sollten im Interesse der Künstler gemeinsam an einem Strang ziehen.“