Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Kunst in der Krise

Kultur / 06.06.2020 • 07:59 Uhr

2020 ist bislang eines der schlimmeren Jahre. Das Virus beschleunigte ohnedies im Gang befindliche Vorgänge, gesellschaftlich, wirtschaftlich und kulturell. So zeigte sich markant, welch niedrigen Stellenwert Kunst und Kultur für unsere aktuelle Bundesregierung haben. Der Kulturbereich, über den Vorarlberg und seine Landeshauptstadt sich im Sommer definieren, verdient ohnedies eine nähere Beachtung, in jeder Hinsicht. Die Bregenzer Festspiele haben offenbar ihre Ganz-oder-gar-nicht-Entscheidung überdacht – und senden mit einzelnen, natürlich sehr wohl möglichen Festspiel-Impulsen ein erstes, dringend erwartetes Lebenszeichen nach der Corona-Totalabsage. In der Kulturmeile am Kornmarkt, wo die im alleinigen Landeseigentum befindliche Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft KUGES die finanziellen Fäden zieht, stellte man sich insbesondere im „vorarlberg museum” zunächst auf Kurz- anstelle von Kulturarbeit ein: mit Blick auf Kurzarbeitsförderquoten der öffentlichen Hand wurde der Betrieb über die behördlichen Sperrungen hinaus auf Sparflamme gesetzt. Das nahm nicht nur das Kulturpublikum wahr, das sorgte auch bis zum Landeshauptmann für Verstimmungen. Mit Vier-Tage-Öffnungszeiten tastet sich der Landes-Kulturbetrieb nun zaghaft zurück. Auch die Reaktionen auf Covid19 könnten unterschiedlicher nicht sein: Während das international renommierte Kunsthaus innert kürzester Zeit reagierte und seit gestern die Kunst der Corona-krise zeigt, hat das Landesmuseum seinen Programmhöhepunkt mit Stefan Sagmeister und Jessica Walsh vorsichtshalber weit in die Zukunft verschoben. Die Mittelverteilung und somit das Pouvoir unter den Häusern ließe anderes erwarten: Seit 2012 hat sich das Budget des „vorarlberg museum” mit dem neuen Haus mehr als verdoppelt, das Landestheater darf immerhin 54 Prozent mehr Geld ausgeben. Die Budgetsteigerung des Kunsthaus Bregenz – das sich mit seinem ambitionierten Programm im Bereich der modernen Kunst weltweite Strahlkraft erarbeitet hat – nimmt sich mit 18 Prozent vergleichsweise mager aus. Da hat selbst das Verwaltungsbudget der Betriebsgesellschaft KUGES mehr Speck angesetzt (plus 23 Prozent), wie die VN-Kulturredaktion heute vorrechnet. Die Politik darf nach der Coronakrise die Kultur nicht noch einmal vergessen und muss mindestens so engagiert für eine Normalisierung und Ermöglichung des Betriebs kämpfen, wie sie das für Baumärkte getan hat. Das aktuelle, wenn auch nachgebesserte Bild für die Kultur ist im Gesamtkontext der Vorschriften alles andere als stimmig, wie die nachrichtlichen Ereignisse allein dieser Woche zeigen. » Die so wichtige Demonstration gegen Rassismus in Wien zog zuletzt 50.000 Menschen an. » Der Landeshauptmann kündigt grünes Licht für die Dornbirner Messe an, zu der 2019 70.000 Besucher kamen. Doch jedes Konzert mit stehendem Publikum gilt weiter als virologisch undurchführbar.