Die Jüngste hat dem Kunsthaus Glück gebracht

Kultur / 31.03.2020 • 09:00 Uhr
Die Jüngste hat dem Kunsthaus Glück gebracht
Raphaela Vogel mit ihrer Skulptur “In festen Händen” im Kunsthaus Bregenz. R. SAGMEISTER

Kunsthaus Bregenz mit Raphaela Vogel und Rudolf Sagmeister unter den besten Ausstellungen von 2019.

Bregenz Die Auswahl ist riesig, die Zahl der Nominierten ist mit zwölf streng limitiert und das Umfeld, in dem das Kunsthaus Bregenz nun mit einer Ausstellung gelistet ist, lässt sich herzeigen: Neben einer speziellen Van-Gogh-Schau im Frankfurter Städel-Museum, der Ausstellung mit frühen Picasso-Arbeiten in der Fondation Beyeler in Basel, der höchst informativen Darstellung weiblicher Pionierleistungen im frühen 20. Jahrhundert mit “Stadt der Frauen” im Wiener Belvedere oder der sensiblen Intervention mit bildender Kunst in der Gedenkausstellung im NS-Dokumentationszentrum in München wurde das Projekt “Bellend bin ich aufgewacht” der jungen deutschen Künstlerin Raphaela Vogel im Kunsthaus Bregenz unter die besten Ausstellungen des Jahres 2019 im deutschsprachigen Raum gereiht. Die Nominierung der Ausstellungen und der jeweiligen Kuratoren nimmt das Redaktionsteam des Kunstmagazins Art vor, den Sieger ermittelt eine Jury aus bekannten Fachleuten.

Aufbau der tonnenschweren Skulptur von Raphaela Vogel.
Aufbau der tonnenschweren Skulptur von Raphaela Vogel.

Enorme Aufmerksamkeit

Über Rankings kann man geteilter Meinung sein, aber seit Art, ein Magazin, das sich mit gut aufbereiteten Artikeln an das breite Publikum wendet und zweifellos zu den bekanntesten Fachblättern der Branche zählt, diesen Preis vergibt, erfährt er enorme Aufmerksamkeit. Vor zwei Jahren wurde etwa Yilmaz Dziewior, einst Direktor am Kunsthaus Bregenz und nun Chef des Museums Ludwig in Köln, gemeinsam mit Stephan Diederich für die Retrospektive “James Rosenquist – Eintauchen ins Bild” ausgezeichnet. Rudolf Sagmeister, Kurator am Kunsthaus Bregenz seit dieses im Jahr 1997 eröffnet wurde bzw. schon in den Aufbaujahren zuvor, reagiert auf die Frage nach der Bedeutung der Nominierung in diesem Umfeld erst einmal mit dem Verweis auf das Team und betont, dass KUB-Direktor Thomas D. Trummer die deutsche Künstlerin (geb. 1988 in Nürnberg) als damals jüngste Protagonistin eingeladen hat.

Die Kuratorenschaft sei keine One-Man-Show, meint der vom Magazin genannte und damit nominierte Kurator. Die zentrale Herausforderung, die sich jeder Künstlerin und jedem Künstler in Bregenz stellt, sei immer, der starken Architektur zu begegnen und eine Arbeit zu schaffen, die sich kraftvoll über das ganze Haus erstreckt. Sagmeister erinnert dabei an eine frühere Arbeit von Olafur Eliasson oder an das Werk von Adrián Villar Rojas zum 20-Jahr-Jubiläum des Hauses im Sommer 2017.

Die Löwenbändigerin

Keine Frage, Sagmeister freut es tierisch, dass die Kunstkenner eine junge Frau auf die Liste der Besten gesetzt haben, die enormes Potenzial hat. Mit der riesigen Löwenskulptur mit dem Titel “In festen Händen” kommentierte sie nicht nur das Machtgehabe gegenwärtiger Blender, mit der Entmachtung der aufgehängten Löwen spielt sie auf ein Sujet in der antiken Kunst an. Ihr Stemmen gegen konservative Rollenbilder nahm sich in der Schau klug und ironisch aus. Das Thema Europa kommentierte sie in einer für Bregenz gänzlich neu geschaffenen, komplexen Arbeit mit bekannten Minimundus-Sehenswürdigkeiten und einem hochpolitischen Film.

 Minimundus-Modelle für ein Europa im Kleinformat.
Minimundus-Modelle für ein Europa im Kleinformat.

Auch das KUB ist derzeit geschlossen. Die geplante Schau mit Arbeiten von Peter Fischli wird voraussichtlich etwas verschoben.


Teil der Ausstellung von Raphaela Vogel im Kunsthaus Bregenz