Schließungswelle in Feldkirch: “Ich bleibe dennoch positiv”

In den letzten Monaten häuften sich die Schließungen der Geschäfte in der Innenstadt Feldkirchs. Das wirft die Frage auf, wie es um die Zukunft des Handels in der Montfortstadt bestellt ist.
Darum geht’s:
- Onlinehandel bleibt große Konkurrenz für lokale Geschäfte.
- Gezielte Maßnahmen sollen den lokalen Handel nachhaltig stärken.
- Zahlen und Fakten im Detail.
Feldkirch An einem sonnigen Tag durch die Innenstadt schlendern, den Altstadtcharme genießen und dabei durch die Geschäfte bummeln – ein Erlebnis, das viele Vorarlberger schätzen. Doch wie lange wird das noch möglich sein? Die VN haben sich umgehört.

„Ich bin definitiv zufrieden“, erwidert Emi Yakar auf die Frage, wie sie das Tagesgeschäft wahrnimmt. Die junge Geschäftsführerin betreibt gemeinsam mit ihrer Schwägerin Martina Schaber seit zehn Jahren das Modegeschäft „Broadway Fashion“ am Marktplatz. Vor drei Jahren haben die zwei Geschäftsfrauen außerdem direkt nebenan das „Glühwürmchen“, ein Laden für Babykleidung, eröffnet.

„Die Kunden kommen definitiv. Klar der Onlinehandel stellt den lokalen Handel immer mehr vor Herausforderungen. Ich bleibe dennoch positiv“, meint die gebürtige Tirolerin. Für sie steht fest, dass es nach wie vor Menschen gibt, die eine persönliche Beratung und den Kontakt schätzen.

Ähnlich klingt es bei Samira Afarahimian. Die 40-jährige Künstlerin hat ihre Kunsthandwerk-Boutique „Sinn“ vor knapp fünf Monaten in der Neustadt eröffnet. „Dafür, dass es mein erstes Jahr hier ist, bin ich wirklich zufrieden. Ich kann meine Kosten decken und es bleibt sogar was übrig“, freut sich die Inhaberin. Sie merkt jedoch an, dass die Zukunft ungewiss ist. „Jetzt im Moment läuft es gut, aber was in ein paar Jahren ist, lässt sich schwer sagen.“ Es hinge davon ab, in welche Richtung sich das Kaufverhalten entwickelt. Auch sie sieht den Onlinehandel als große Konkurrenz für kleine Geschäfte.

Die allgemeine Stimmung bei den Händlern in Feldkirch ist überwiegend positiv. Dennoch sind sich viele einig, dass die Zukunft Herausforderungen bringen wird. „Man kann sich über Wasser halten, aber ob das in fünf Jahren immer noch so ist, da bin ich mir nicht sicher“, meint ein Ladenbesitzer. Viele Branchenkollegen sehen das ähnlich.
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Zahlen im Detail
Auch wenn einige Geschäftsschließungen zuletzt für Aufsehen sorgten, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Der Handelsstandort Feldkirch steht im österreichweiten Vergleich nach wie vor gut da. Mit 221 Geschäften und einem Filialisierungsgrad von nur 24,1 Prozent ist die Einkaufsstadt stark von inhabergeführten Betrieben geprägt. Besonders erfreulich: Die Leerstandsquote liegt laut der City Retail-Dokumentation bei nur 3,5 Prozent und somit deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. Beide Werte halten sich seit drei Jahren stabil.

„Die Handels- und Gastronomiebetriebe in Feldkirch zeichnen sich durch ein hohes Maß an Qualität, Service- und Kundenorientierung aus“, sagt Lukas Debortoli, Geschäftsführer des Stadtmarketings. Dass sich die Innenstadt trotz veränderter Einkaufsgewohnheiten behaupten kann, sei kein Zufall. „In Kombination mit den Bemühungen der Stadt zur Attraktivierung der Innenstadt wirken sich unsere Aktivitäten, etwa das DämmerShopping oder zielgruppenspezifische Werbemaßnahmen, positiv auf die Entwicklung aus“, ist er sich sicher.

Gleichzeitig dürfe man sich von dem aktuellen Bild nicht täuschen lassen. „Auch die kommenden Monate werden sehr herausfordernd für den Handel und die Gastronomie bleiben. Einflussfaktoren wie die Teuerung, der Arbeitskräftemangel, der Onlinehandel oder die hohen Energiekosten wirken sich nach wie vor auf die Geschäftsentwicklung aus“, warnt Wirtschaftsstadtrat Benedikt König. Hürden, die auch Lukas Debortoli sieht. „Wir befinden uns in einer Transformationsphase. Der Umbruch in der Handelslandschaft ist auch in Feldkirch spürbar“, meint er.

Um dem entgegenzuwirken, setzt die Werbegemeinschaft weiterhin auf gezielte Maßnahmen zur Stärkung des lokalen Handels. So wurden allein über die Feldkirch Gutscheinkarte im vergangenen Jahr mehr als 1,6 Millionen Euro in der Stadt gehalten. Dabei gibt es ein klares Ziel: die Innenstadt lebendig und wirtschaftlich stark zu halten. Wie stabil der Standort bleibt, hängt letztlich dennoch davon ab, ob die Menschen bereit sind, lokal zu kaufen statt online zu klicken.