Albert Hager führt Gastronomie und Handwerk zusammen

Naze’s Hus in Mellau zog bei der Eröffnung mit Schlachtpartie und Wildwochen die Begeisterung der Gäste auf sich.
Mellau Die Gastronomie steht auch im Bregenzerwald vor schwierigen Zeiten: Betriebszeiten werden eingeschränkt oder Lokale ganz aufgelassen – umso erfreulicher ist es, wenn sich Gastronomen gegen diesen Trend stemmen und die traditionelle Wälder Gastlichkeit hochhalten. Einer davon ist Albert Hager, der eher als Handwerker bekannt ist: „Der Schindeler“ setzte über die Region hinaus wichtige Akzente und sorgt dafür, dass die jahrhundertealte Tradition geschindelter Häuser weiterlebt.

Leuchtturmprojekte am Bodensee
Eines seiner Leuchtturmprojekte steht am Bodensee: Mehr als 800.000 Schindeln hat der Mellauer mit seinem Team verarbeitet, um der Wohnanlage Neue Seeschanze in Lochau ein Schindelkleid zu verpassen. Mehr als 300.000 Schindeln wurden für ein weiteres Prestigeprojekt in Furx benötigt, und aktuell schindelt Hager unter anderem “The Heimat” auf Nesslegg. Albert Hager ist durch den derzeitigen Baustopp nicht unglücklich, denn so hat er mehr Zeit für seine zweite Leidenschaft, das Wirten. Jetzt kann er sich verstärkt Naze’s Hus widmen.

Von handwerklichem Geschick zur Gastronomie
Aber der Reihe nach: Vor 30 Jahren hat Hager als Ein-Mann-Betrieb mit dem Schindeln begonnen und einen der führenden Betriebe der Region aufgebaut. Zehn Jahre später erwachte seine Gastronomie-Leidenschaft – er erwarb eines der ältesten Häuser in Mellau („Vielleicht sogar das älteste mit geschätzten rund 300 Jahren“, so Hager).

In rund 9.000 Stunden behutsamer Restaurierung wurde daraus ein Wirtshaus mit rund 50 Sitzplätzen in drei gemütlichen Räumen und eine Pension mit zwölf Gästebetten. Zwei Jahre nach dem Kauf wurde in Naze’s Hus zu Weihnachten 2006 Eröffnung gefeiert. Gasthaus und Pension liefen hervorragend, trotzdem entschloss sich Hager 2012 zur Verpachtung – er war als Schindeler stark beschäftigt.

Neustart mit traditionellem Charme
Jetzt sind Albert und seine Gattin Christiane wieder zurück im Wirtshaus und wollen es als bodenständiges Dorfgasthaus zu neuem Höhenflug führen. In Kooperation mit dem Nachbar Kilian Gorbach, Wirt im Gasthaus Adler, legen sie die Ruhetage so fest, dass in Mellau sieben Tage die Woche mindestens ein Gasthaus für Mittag- und Abendessen geöffnet hat. „Das ist leider in immer mehr Gemeinden nicht mehr garantiert – in Mellau möchten wir es wieder sicherstellen“, so Hager.

Regionalität und Gastfreundschaft im Fokus
Mit bodenständiger, regionaler Küche und fairen, leistbaren Preisen wollen die Hagers bei den Gästen punkten – und diese Wirtshaustradition war schon zum Neustart ein absoluter Hit: Zur Neueröffnung gab es eine Schlachtpartie, jetzt stehen Wildwochen auf dem Speiseplan. Zu deren Eröffnung wurde Regionalität im wahrsten Sinne des Wortes umgesetzt: Das Wild dazu kommt aus Mellauer Revieren – und unter den gut gelaunten Eröffnungsgästen konnten auch Jagdaufseher Claudio Dietrich und der wichtigste „Wildlieferant“ Paul Hugentobler mit zahlreichen Jagdkollegen begrüßt werden.

Die Bergziegen Reinelde Simma und Bernadette Berbig sorgten für den musikalischen Rahmen des Eröffnungsabends und signalisierten gleichzeitig, dass Musik und Fröhlichkeit in Naze’s Hus jederzeit willkommen sind. STP