Expedition ins Wurzelreich nach Labom

HE_Blude / 25.08.2021 • 16:14 Uhr
Elisabeth Handl und Renate Burger laden in die „Wurzel-Wunderkammer“ nach Raggal ein. HAB
Elisabeth Handl und Renate Burger laden in die „Wurzel-Wunderkammer“ nach Raggal ein. HAB

Die „Wurzel-Wunderkammer“ kann man im Rahmen des Walserherbstes besichtigen.

Raggal Der Walserherbst stellt heuer einmal mehr den Bezug des Menschen zu seiner Umwelt in den Fokus. Die „Wurzel-Wunderkammer“, in der sich Ungewöhnliches und Befremdliches rund um die Wurzel befindet, will zu den Ursprüngen zurückführen. Der Kraft der Pflanzen und im Besonderen ihrer Wurzeln widmet sich die
Installation „Wurzel-Wunderkammer“ von Renate Burger (AMÚR Wien) und Elisabeth Handl in Raggal.

Unterirdisches wird in einer Spurensuche mit allen Sinnen ans Licht geholt und dabei das Leben als Beziehungsgeflecht mit seinen feinen Nuancen enthüllt. Die Wunderkammer definieren die Künstlerin Renate Burger und die Experience-Designerin Elisabeth Handl neu. Sie wird zum ungewöhnlichen Sammlungs- und Ausstellungsraum, zu einer Schatzkammer mit einem Absurditätenkabinett, in der wir mit unserer Gesellschaft, uns selbst und unseren Sinnen in Kontakt treten können. Die Künstlerinnen sind in der letzten Woche des Festivals nochmals anwesend und laden zur Expedition ins Wurzelreich nach Labom ein.

Der Begriff Wurzel ist sowohl im historischen wie auch im gesellschaftlichen Kontext ein Träger vieler Bedeutungen. Was bedeutet für euch die Wurzel?

Burger/Handl Wir wollen wissen, wer wir sind und woher wir kommen. Wir sind immer auf Spurensuche und uns ist es wichtig, mit kindlicher Neugier und Unvoreingenommenheit der Welt zu begegnen. Spannend wird das Ganze, weil wir zwei aus verschiedenen Welten kommen und wir dann doch zu einem Ergebnis gelangen. Wurzeln sind Ressourcen, aus denen Potenziale entstehen. Alles hat seinen Platz – Wurzel, Blatt, Blüte sowie auch der Mensch.

Pflanzen sind Lebewesen, sie kennen die Erde viel länger, als es die Menschen tun und haben in ihren Wurzeln ein großes Wissen gespeichert. Sind ihre Wurzeln also mehr als nur ein Behälter chemischer Substanzen?

Burger/Handl Pflanzen sind mehr als nur Chemie, sie sind auch Lebewesen, die sich verteidigen und heilen können.

Pflanzen und speziell Wildpflanzen könnte man daher eigentlich als Gastgeber bezeichnen?

Burger/Handl Alle Gewächse sind Gastgeber, ohne Pflanzen gibt es gar nichts. Sie stehen am Anfang und am Ende des Lebens und werden uns auch wahrscheinlich überleben.

Lebensmittel sprechen alle fünf Sinne – Riechen, Sehen, Hören, Tasten, Schmecken – gleichzeitig an. Wie setzt ihr das um?

Burger/Handl Wir versuchen verschieden Spuren zu diesem Thema zu legen, die zum Erkennen natürlich auch ganz wichtig sind. Was unsere Ausstellung bezweckt, ist, dass sich die Besucher mit allen Sinnen darauf einlassen. Es ist gut, wenn unsere Ausstellung Fragen aufwirft, darum geben wir auch keine vorgefertigten Antworten.

Ihr stellt fest, dass Kochen und Essen integrale Bestandteile unseres Lebens sind. Haben das die Menschen vergessen?

Burger/Handl Das Problem unseres heutigen Lebens ist, dass alles sofort geschehen muss. Essen ist eine Kontaktzone mit der Natur. Es ist stark verbunden mit Erneuerung und Sehnsüchten, hat mit Entscheidungen zu tun und das alles hat in weiterer Folge auch seine Auswirkungen. Essen ist nicht nur Ernährung, es ist viel mehr. Wenn man es mit allen Sinnen aufnimmt, wird man die entsprechenden Erfahrungen machen und genießen. HAB

Zur Person

Renate Burger

Geboren 30. Oktober 1965

Wohnort Wien

Beruf Künstlerin und Kommunikationswissenschaftlerin

Hobby Kunst und Musik

Familie ledig

Elisabeth Handl

Geboren 19. Dezember1977

Wohnort Wien

Beruf Experience-Designerin (Entwurf von Systemen, die die Erfahrung des Benutzers berücksichtigen. Dabei liegt die Konzentration darauf, eine Verbindung zwischen menschlichen Benutzern, Maschinen und deren Umfeld zu schaffen.)

Hobby Alles, was ich beruflich mache. Ich bin auf einer ewigen Spurensuche

familie ledig