Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Frühling

Gesund / 04.03.2022 • 10:53 Uhr

Ein schöner Tag. Fast makellos. Keine Wolke am Himmel. Wie goldene Rinnsale umfließen die ersten Strahlen der Morgensonne die schneebedeckten Hänge der Schweizer Berge. Auf den Straßen flutet der Verkehr in Richtung der Skigebiete. Aus Schornsteinen quillt Rauch. Wärme. Etwas später: Väter schieben Kinderwägen. Hobbysportler absolvieren ihre Laufrunden. Alles ganz normal. Zumindest bei uns. Nur ein paar Tausend Kilometer entfernt fallen Schüsse. Schlagen Granaten ein. Sterben Menschen. Flüchten vor den Kriegsgräueln. Beim Zusammenführen dieser Bilder drängte sich mir ein Wort auf: surreal. Aber: Das Leben geht weiter. Muss weitergehen. Allein schon, um denen zu helfen, die Hilfe brauchen. Erschütternd die Worte, die eine in Österreich lebende Ukrainerin weinend einem Reporter ins Mikrofon diktierte: „…und wir können nichts tun!“ Ohnmacht. Verzweiflung.

Dennoch: Wir können einen Beitrag leisten. Wir können für die Menschen in der Ukraine ein- und aufstehen. Wir können spenden, damit humanitäre Unterstützung möglich wird. Wir können die Flüchtlingshilfe bestärken. Wir können, können, können…Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an.

An diesem schönen Tag habe auch ich noch die Laufschuhe geschnürt. Den Kopf für kurze Zeit freibekommen. Die Sonne hatte die Kühle des Morgens schon vertrieben, und am Wegesrand lugten bereits die Spitzen des Bärlauchs hervor. Es wird trotz allem wieder Frühling. Ein Hoffnungsschimmer in der Düsternis.

Marlies Mohr

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