Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Sommerschule

Gesund / 23.12.2020 • 11:00 Uhr

Leider rücken Kinder immer mehr in den Focus des Pandemiegeschehens. Schon immer hat man vermutet, dass Kinder und Schule einen erheblichen Anteil an der Ausbreitung von SARS-CoV-2 haben könnten. Jetzt haben internationale Modellrechner unter der Leitung von Forschern der Universität Oxford untersucht, wie nicht medikamentöse Maßnahmen sich auf das Infektionsgeschehen auswirken. Die Verknüpfung von Interventionen unterschiedlicher Länder mit den Covidfall- und sterbezahlen zeigt, dass die Schließung von Bildungseinrichtungen und die Vermeidung von Menschenansammlungen über 10 Personen die Übertragung des Coronavirus erheblich reduzieren können.

Dazu passen die neuesten Ergebnisse der periodischen britischen Infektionserhebung (REACT-1 Studie) unter Leitung des Imperial College London und weiterer renommierter Institutionen: Unter dem Lockdown zeigen sich fallende Infektionszahlen bei allen Altersgruppen über 17 Jahren. Überraschend gegenläufig werden deutliche Anstiege von positiven Abstrichen bei den 5- bis 12- und 13- bis 17-Jährigen nachgewiesen. Daraus ergibt sich für mich die Empfehlung, zumindest zur Diskussion zu stellen, dass man in den Wintermonaten, die Zeit mit der höchsten Infektionsgefahr für alle, die Schulferien verlängert und die Sommerferien verkürzt.

Immer mehr Studien und Erfahrungsberichte halten fest, dass Kinder unter der Corona-Gesamtsituation sehr leiden und deutliche Defizite in der schulischen Entwicklung aufweisen mit wahrscheinlich ungünstigen Langzeitfolgen. Auch das häufige Lüften in den Wintermonaten ist für Schüler keine optimale Lösung. Wie kann das kompensiert werden? Ein Ansatz wäre mehr Winterferien, die Betonung liegt auf Ferien und nicht auf Schule, zu Hause. Zum Ausgleich eine Vorverlegung des Herbstsemesters um zwei Wochen mit Unterricht bei offenen Fenstern und teilweise im Freien. Zwei Wochen mehr Winterferien würden bedeuten „nur“ sieben anstatt neun Wochen Sommerferien.

So lange wir keine immune Bevölkerung haben, müssen wir Risikopersonen optimal schützen. Das gelingt nur, wenn wir die Infektionszahlen sofort drastisch reduzieren. Dazu müssen wir auch das bisher unterbewertete Risiko, das von Kindern ausgeht, beachten. Mittelfristig hilft uns das Erreichen einer Herdenimmunität. Ohne Impfungen, die ich stark befürworte, können auch in Zukunft größere Infektionsausbrüche und damit schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle nicht verhindert werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es im Sommer 2021 eine Entspannung der Gesamtsituation geben. Alle Maßnahmen der Infektionsvorbeugung mit Einhaltung der Hygieneregeln, Impfungen und häufiger Testung werden uns bis in den Winter 2021/22 erhalten bleiben.

Die tägliche Sterblichkeitsrate in den USA für Covid-19-Tote entspricht den Anschlägen vom 11. September 2001, bei denen 2988 Menschen ums Leben kamen. In Österreich sind in der 47. Kalenderwoche 400 Personen über dem durchschnittlichen Höchststand der letzten 20 Jahre gestorben. Wir dürfen uns nicht an diese Schreckenszahlen gewöhnen!

„Wir müssen auch das bisher unterbewertete Risiko, das von Kindern ausgeht, beachten.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein