Wie die Faszination Bergwelt gelingen kann

Gesund / 31.05.2020 • 09:00 Uhr
Wie die Faszination Bergwelt gelingen kann
Ob per pedes oder fahrbarem Untersatz: Damit das Bergsportvergnügen für Körper und Geist gelingen kann, braucht es eine gut durchdachte Hard- und Software. VN/STEURER

Wandern, Bergradeln oder Berglaufen stehen hoch im Kurs.

Bregenz Schon müde Beine, Schweißperlen auf der Stirn, etwas kurzatmig, doch mit großer Vorfreude auf das Ziel: Ein Hochgefühl, das eine zunehmende Anhängerschaft erlebt – immer mehr Menschen streben in die Höhen unserer Bergwelt und erobern Hütten, Alpenkämme und Gipfel – längst nicht mehr nur mit den klassischen Wanderschuhen.

Immer öfters trifft man dieser Tage auch auf leicht beschuhte Trailrunner (Querfeldeinläufer) oder jene, die die Bergeshöhen auf fahrbaren Untersätzen erobern, die Mountainbiker – die Entwicklungen der elektrisch angetriebenen Fahrsätze revolutionierte die Sportart und lockt nun mehr Pedalritter denn je in Bergeshöhen.

Allroundtalent Natur

Dabei steht bei all diesen Bergsportlern eines im Vordergrund: Sie nutzen das größte Fitnesscenter der Welt, um umfassend und nachhaltig zu trainieren. Körper, Geist und Seele erfahren hier wahre Ergüsse: Neben der Muskelkraft und der Ausdauer wird das Herz-Kreislauf-System getrimmt, das Immunsystem gestärkt. Vor allem aber bietet die Natur einen willkommenen Ausgleich zur Hektik des Alltags.

Gerade in unserer schnelllebigen, von unnatürlichen Bewegungen und künstlich erzeugten Bedürfnissen geprägten Welt steigt das Verlangen nach Natürlichkeit, Ursprünglichkeit und Reduktion aufs Wesentliche. Und was erfüllt diese Sehnsucht mehr als die Natur selbst, gerade in Bergeshöhen?

Fast unberührt

Dort hat der Mensch noch (kaum) eingegriffen – fern sind Computer, Einkaufstempel, Verkehrslärm, Beschallung und Co. Hier kann die Interaktion mit dem Partner oder sich selbst noch funktionieren. Hier können Fauna und Flora in naturbelassener Form entdeckt werden. Vor allem kann der Geist neue Weiten erfahren: Sorgen, Ängste oder gar Depressionen verlieren an Bedeutung, neue Perspektiven werden erschlossen, der Fantasie freien Lauf gelassen.

Doch wie bei allem Sporttreiben heißt es langsam anfangen, sich je nach Verfassung und Vermögen zu steigern, um am Ende das wohltuende Erfolgserlebnis genießen zu können. Dabei bedarf nicht nur die Software einer optimalen Vorbereitung. Auch die Hardware soll durchdacht sein: Hier bietet der PEAK-Bergcheck, der von der Initiative Sicheres Vorarlberg zusammen mit der Bergrettung entwickelt wurde, wertvolle Anhaltspunkte.

PEAK-Check davor

Die Buchstaben stellen dabei die einzelnen Schritte für die Planung vor und während einer Tour in Bergeshöhen dar: P steht für Planung und befasst sich mit Routenwahl, Länge und Dauer des Unterfangens, Wetterbericht, Bekleidung und Schuhwerk. E steht für Einschätzung und betrifft die Art der Tour – ist man allein oder in der Gruppe unterwegs, welcher Schwierigkeitsgrad wird in Angriff genommen?

A steht nun für Ausrüstung und ist der Sportart angepasst. Das Schuhwerk ist freilich bei allen drei genannten Bergvergnügen ein anderes. Doch ändert sich nichts daran, dass dieses dem Gelände entsprechen sollte – je alpiner, desto fester soll es sein. Bei der Kleidung wiederum gilt bei allen dasselbe Prinzip, nämlich das Zwiebelprinzip: Die Kleidung soll aus funktionalen Materialien und schichtweise aufgebaut sein. Sonnenschutz mit Kappe, Sonnencreme mit hohem LSF und eine Sonnenbrille sind unerlässlich. Dazu kommen unbedingt: ein geladenes Handy, eine kleine Rucksackapotheke, Flüssigkeit und eine kleine Jause, Regenschutz, bestenfalls eine entsprechende Wanderkarte.

Und schlussendlich folgt das K wie Kontrolle: So sollten nicht nur die eigenen Kraftreserven und jene der Gruppe ständig bewertet werden; die verbleibende Wanderroute sowie das Wetter gehören ebenfalls unbedingt berücksichtigt. Experten raten gerade hier, nicht übertriebenen Ehrgeiz an den Tag zu legen, sondern Köpfchen zu beweisen und bei Ermüdung oder Schlechtwettereinbruch lieber umzukehren.

Rücksichtnahme

Gerade mit der zunehmenden Sehnsucht und Möglichkeit, Bergeshöhen auch neben dem klassischen Wandern zu erklimmen, wuchs das Konfliktpotenzial – mit ein Grund, warum alpine Vereine Empfehlungen gerade für Biker definierten, darunter: „Fußgänger haben Vorrang. Nimm Rücksicht auf Fußgänger, indem du dein Kommen frühzeitig ankündigst und das Tempo reduzierst. Halte nötigenfalls an. Ein freundlicher Gruß fördert die Akzeptanz. Fahre in kleinen Bike-Gruppen und meide von Wanderern stark frequentierte Wege, passe deine Geschwindigkeit an. Fahre aufmerksam und bremsbereit.“

Miteinander

Daneben wurden einige Initiativen gestartet, die extra ausgewiesene Strecken oder angelegte Bikeparks für Mountainbiker anbieten und somit ein Aufeinandertreffen der verschiedenen Sportler erst gar nicht ermöglicht. Am Ende steht freilich die Bereitschaft aller, einander und der Natur respektvoll zu begegnen, um ein gedeihliches Nebeneinander zu ermöglichen.

Ausrüstungschecklisten fürs Bergsportvergnügen

Berglaufen/Trailrunning

Selbstverständlich sind für einen Bergläufer seine Trailrunningschuhe das Um und Auf. Diese sollten bezüglich Sicherheit, Stabilität, Komfort, Dämpfung und Material auf das Unterfangen beziehungsweise den Untergrund abgestimmt sein und nicht zu locker, aber auch nicht zu eng sitzen. Die Kleidung ist selbstredend funktional: atmungsaktiv, eng anliegend und schnell trocknend; Wind- und Wetteroberbekleidung, die ein kleines Packmaß aufweist, inklusive. Der eng am Körper anliegende Rucksack ist auf die jeweilige Strecke abgestimmt: Für Kurzstrecken reichen 2 Liter Fassungsvermögen, für Langstrecken sind jene mit 10 bis 15 Liter ideal. Eingepackt gehören: Essen in Form von Riegeln oder Gels, kleines Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Tape, Stirnlampe, eventuell Arm- und Beinlinge, Handschuhe. Sinnvoll sind auch GPS-Uhren, eventuell ergänzen Stöcke das Equipment. Die Aufnahme von Flüssigkeit – Wasser oder Energydrink – ermöglicht entweder eine auf dem Rücken befestigte Trinkblase oder ein umgebundener Trinkflaschenhalter. Und für alle Fälle ist das geladene Handy jederzeit griffbereit.

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Wandern/Hiking

Angefangen beim an das Gelände angepassten Schuhwerk – Wander- oder Bergschuhe, die mindestens knöchelhoch und jedenfalls mit rutschfester Sohle ausgestattet sind – stellt die Bekleidung ein wesentliches Detail dar: Aus funktionalen Materialien hergestellt und somit atmungsaktiv, elastisch und wind- und wetterfest, soll für jeden Witterungsfall etwas dabei sein. Idealerweise ergänzen Wanderstöcke und eine Sportbrille das Equipment. Als Sonnenschutz dienen die Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und eine Kopfbedeckung. Der Rucksack ist bestenfalls ergonomisch aufgebaut und lässt eine Belüftung im Rückenbereich zu; die Größe richtet sich nach der Länge und Höhe des Unterfangens. In den Tourenbegleiter gehören jedenfalls die Rucksackapotheke mit Verbandsmaterial, Rettungsdecke, Blasenpflaster, ein Biwacksack, Wechselkleidung, Sonnenschutz und Regenschutz. Hinzu kommen eine leicht bekömmliche Jause und ausreichend zum Trinken. Ein Muss: das geladene Handy, ebenfalls eine regionale ÖK-Karte. Je nach Tour ergänzen Helm, Seil, Gurt und Co. die Ausrüstung.

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Bergradeln/Mountainbiking

Neben dem fahrbaren Untersatz – dieser wurde vorab auf seine Funktionstüchtigkeit kontrolliert und ist der Tour entsprechend – brauchen Mountainbiker entsprechende Kleidung und Schutzausrüstung: Zur funktionalen Bekleidung gehören ein atmungsaktives Trikot, das aus schnell trocknendem Material besteht; so sollte auch die Radlerhose beschaffen sein, die zudem gut gepolstert, im Weichteilbereich nahtfrei verarbeitet ist und ohne Unterwäsche getragen wird. Die Schuhe sind mit einer profilierten Gummisohle ausgestattet und sorgen für einen sicheren Tritt auf Schiebe- oder Tragestrecken. Unverzichtbar: Handschuhe für den sicheren Griff, Sportbrille für den Schutz vor UV-Strahlung und Insekten, Arm- und Beinlinge; ein Muss: der Helm, der vorzugsweise im sogenannten In-Mold-Verfahren hergestellt, mit Belüftung ausgestattet und immer mit dem Kinnriemen verschlossen ist. In den ergonomisch geformten und mit Helmhalterung ausgestatteten Rucksack gehören: Wetterbekleidung, Erste-Hilfe-Set mit Rettungsdecke, Dreieckstuch, Desinfektionsmittel und Blasenpflaster, Flickzeug bzw. Ersatzschlauch inklusive kleiner Luftpumpe. Auch Verpflegung – ein Trinksystem ist oft schon im Rucksack integriert – gehört eingepackt; selbstverständlich ist das geladene Handy ständiger Begleiter.