Selbst ist der Mensch
Unlängst bin ich gegen Abend nach Dornbirn geradelt. Und in der Stimmung nachgerade versunken. Auf der einen Seite dunkle Wolken am Himmel, auf der anderen ein Streifen blau, durch den sich ein paar Sonnenstrahlen gestohlen hatten, die die Landschaft in seidenen Glanz tauchten. Wind fegte bunte Blätter über die Wiesen. Und rund herum sickerte langsam das Dunkel in den Tag. Es war schlicht und ergreifend wunderbar. Nichts vermag die Seele so anzurühren wie das, was die Natur hervorbringt. Trotzdem trampeln wir so ungeniert auf ihr herum. Das nur am Rande.
Ich mag solche Szenarien, kann mich immer wieder aufs Neue darin verlieren. Besonders jetzt, wo das Licht nicht mehr gar so grell ist. Ich weiß, nicht jedem tut das gut. Diese Zeit verleitet zum Grübeln. Aber nicht über das, was schön war, sondern über das, was schiefgelaufen ist. Doch: Läuft nicht jeden Tag etwas schief? Kleinigkeiten, denen wir keine Beachtung schenken? Wenn dann die Nacht schon früh das Licht verdrängt, lasten sie plötzlich bleischwer auf uns. Herbstblues nennt sich das. Man sollte ihn nicht unterschätzen und frühzeitig etwas dagegen tun. Frische Luft und Bewegung sind ein gutes Mittel, die Bilder, die die Natur uns schenkt, positiv zu betrachten, ein anderes. Für manche mag das vielleicht zu banal klingen. Doch egal, ob auf diese Weise oder mit professioneller Unterstützung: Im Endeffekt müssen wir uns helfen. Wenn wir nicht wollen, nützt alles nichts. Selbst ist der Mensch. Nützen wir unsere Kraft. Und genießen Sie, was der Herbst uns schenkt.
marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at
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