Wenn Visionen an Grenzen stoßen: Schruns verwirft Millionenprojekt und denkt neu

VN / 23.04.2026 • 13:13 Uhr
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Der Architekt Bernardo Bader hat das neue Kinderhaus St. Jodok geplant. Rendering: Jonas Bloch

Die Marktgemeinde entwickelt neue Pläne für Schule und Kinderbetreuung. Details zeigen, wohin die Reise geht.

Schruns Der Neubau der Volksschule auf dem Sternenparkplatz klang ebenso vielversprechend wie nicht finanzierbar. 13,7 Millionen Euro würde die Volksschule kosten. Dazu kämen noch die Kosten für den neuen Kindergarten von mindestens zwei Millionen Euro – Geld, das die Marktgemeinde Schruns nicht hat. Etliche Stunden hat die Gemeindevertretung über dieses Projekt diskutiert. Zu den Amtszeiten von Jürgen Kuster gab es einen Architekturwettbewerb, ein Siegerprojekt und einen detaillierten Plan, ja sogar einen Masterplan. Doch was nützt der beste Masterplan, wenn man ihn sich nicht leisten kann?

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Die Volksschule soll umgebaut werden. VN/JUN

„Wir brauchen mehr Platz“

„Wir können es nicht stemmen“, bringt es Bürgermeister Jürgen Haller auf den Punkt. Also zurück auf Anfang? Nicht ganz. Derzeit läuft eine Bedarfserhebung, welche Räume die Volksschule benötigt und was finanziell machbar ist. Die Containerklasse soll entfernt werden. Der Eingang wird mit Schmutzschleuse und Garderobe neu gestaltet. Auch ein Werkraum, eine Bibliothek, eine Ausspeisung und ein größeres Lehrerzimmer sind vorgesehen. Zudem werden mehr Klassenräume benötigt. Kurzum: „Wir brauchen mehr Platz“, so Haller. Die Volksschule müsse so adaptiert werden, dass sie für die nächsten Jahrzehnte gerüstet ist. Möglicherweise müsse dafür das bestehende Gebäude aufgestockt werden. Der Umbau kostet mehrere Millionen Euro, bleibt aber günstiger als ein Neubau.

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Bürgermeister Jürgen Haller präsentiert die neuen Pläne für Kindergarten und Volksschule.

Beim Masterplan wären zusätzlich 500.000 Euro für einen neuen Parkplatz angefallen. Nun habe man sich aber „ganz klar“ für den bestehenden Sternenparkplatz entschieden. „Der Sternenparkplatz ist essenziell wichtig für die Wirtschaft, den Tourismus und das Dorfleben“, betont Haller, weshalb in ein neues Parksystem investiert wird.

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Der Sternenparkplatz bleibt bestehen und erhält ein neues Parksystem.

Doppelt so groß

Der Kindergarten St. Jodok (Baujahr 1969) wird auf dem bestehenden Pfarrgrundstück neu errichtet. Bereits 2010 entwarf der Architekt Bernardo Bader einen neuen Kindergarten, der jedoch nie umgesetzt wurde. Inzwischen zeigt sich, dass der Kindergarten damals ohnehin zu klein geplant gewesen wäre. Waren ursprünglich zwei Gruppen vorgesehen, sind es nun vier. Die vierte Gruppe ist für Kinder ab drei Jahren gedacht. Der neue Kindergarten, ebenfalls nach Plänen von Bernardo Bader, wird doppelt so groß und zweigeschossig ausgeführt.

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Das Kinderhaus wird zweigeschossig. Bernardo Bader Architekten

Die Nachfrage nach einer Ganztagsbetreuung sei aufgrund gestiegener Kinderzahlen groß, sagt Jürgen Haller. „Bis zu 100 Kinder hätten Platz im Neubau.“ Derzeit sind im Kindergarten St. Jodok 80 Kinder angemeldet. Weitere Betreuungsangebote bestehen im Ortsteil Gamprätz, an der Litz und als Naturkindergarten.

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Regionales Holz kommt zum Einsatz.ADOLF BEREUTER

2,15 Millionen Euro Kosten

Das neue Kinderhaus St. Jodok wird in Holzbauweise errichtet und kostet 2,15 Millionen Euro. Die Förderung des Landes ist dabei noch nicht abgezogen.  Die Bauweise sei „komplett nachhaltig“, so Haller, da regionales Holz verwendet wird und regionale Firmen beteiligt sind. Energetisch erfüllt das Kinderhaus modernste Qualitätsstandards.

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Die Kubatur fügt sich ins Gesamtbild ein. Bernardo Bader Architekten

Der Erfolgsfaktor sei die „enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten“, sagt Haller stolz. „Wir haben uns als Ziel gesetzt, einen qualitativ hochwertigen Kindergarten zu bauen, der im finanziellen Rahmen der Gemeinde bleibt.“ Jürgen Haller zeigt sich erfreut, dass „man in dieser Größenordnung um diesen Preis baut“ und die Beschlussfassung dazu in der Gemeindevertretung einstimmig war. Das sei vor allem dem Kernteam zu verdanken. Richard Durig holte die Angebote der Firmen ein, Heinz Fleisch behielt den finanziellen Überblick. Der Baustart soll bis spätestens Ostern 2027 erfolgen, sodass die Kinder noch im gleichen Jahr ins neue Gebäude einziehen können.

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Der jetzige Kindergarten St. Jodok hat die besten Jahre hinter sich. Bernardo Bader Architekten
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Auch die Außenfläche wird dann neu gestaltet. Bernardo Bader Architekten