Wissenschaft in der Praxis

In den Landeskrankenhäusern sind bereits 31 habilitierte Mediziner tätig.
Feldkirch. Gleich sechs Habilitationen gab es unlängst im Landeskrankenhaus Feldkirch zu feiern. Die Professorin Yildiz Yildiz und die Dozenten Alois Lang, Axel Mündlein, Michael Osti, Philipp Rein und Emanuel Zitt haben damit ihr persönliches berufliches Ziel erreicht. Inzwischen sind bereits 31 habilitierte Mediziner in den Landeskrankenhäusern tätig, darunter befinden sich auch elf Oberärzte. Der jüngste in der Runde, OA Philipp Rein, ist 36, der älteste, OA Alois Lang, 62 Jahre.
Vorbildwirkung
„Habilitierte Ärzte sind in mehrfacher Hinsicht sehr wichtig für unsere Spitäler. Zum einen fließen die praxisnahen Wissenschafts- und Forschungsergebnisse in die Medizin ein und dienen damit unmittelbar dem Patienten, zum zweiten sind Habilitierte auch Vorbilder für die nachkommenden Medizinergenerationen und haben Signalwirkung für viele potenzielle Bewerberinnen im In- und Ausland“, sagt der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch. Darüber hinaus würden Region und Gesellschaft insgesamt von diesen besonders engagierten Berufenen profitieren.
Mit der Habilitation mussten die Wissenschaftler ihr gesamtes Fachgebiet im Rahmen eines akademischen Prüfungsverfahrens in Forschung und Lehre vertreten können. Sie haben damit die höchstrangige akademische Laufbahn absolviert. Der Erwerb dieser akademischen Auszeichnung, zumal außerhalb einer Universität, zeugt von einem besonderen Ausmaß an Eigeninitiative und fachlicher Kompetenz.
Die sechs Referenten berichteten aus unterschiedlichen Fachgebieten: Die Unfallchirurgie wurde durch Privatdozent Michael Osti vertreten. Er beschäftigte sich mit der optimalen Platzierung des Transplantats beim Kreuzbandersatz. Ziel seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war es, Variable zu finden, welche die Zufriedenheit der Patienten und die Stabilität des Kniegelenkes erhöhen können. Der Einfluss genetischer Faktoren auf die koronare Herzkrankheit stand im Fokus der Forschungsarbeit von Axel Mündlein. Die Ergebnisse dieser genetischen Studien tragen wesentlich zum Aufspüren neuer Angriffsziele für medikamentöse Wirkstoffe bei.
Yildiz Yildiz klärte die Funktion eines bisher unbekannten Proteins/Enzyms (GBA2). Dafür wurde im Labor eine spezielle Maus gentechnisch entwickelt, die das Protein/Enzym nicht produzieren konnte. Die Charakterisierung dieses Enzyms hat Türen für neue Therapieoptionen geöffnet. Emanuel Zitt von der Abteilung für Nephrologie und Dialyse konnte von einem neuen effizienten Diagnose- und Therapiekonzept bei der mit chronischer Nierenerkrankung einhergehenden Nebenschilddrüsenüberfunktion und Knochen- und Mineralstoffwechselstörung berichten. Philipp Rein setzte sich in seiner Habilitationsschrift mit der Bedeutung von Störungen der Nierenfunktion im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auseinander. Das Forschungsziel der wissenschaftlichen Arbeit von Alois Lang war es, eine Verbesserung in der Therapie des fortgeschrittenen Dickdarmkarzinoms herbeizuführen.
Innovation durch Forschung
„Mediziner, die zusätzlich zum Spitalsalltag Zeit und Energie in die Wissenschaft stecken, haben sich eine besondere Wertschätzung verdient. Es ist eine Auszeichnung, dass in den Landeskrankenhäusern derart engagierte und motivierte Ärztinnen und Ärzte tätig sind und Innovationen vorantreiben“, lobte KHBG-Direktor Gerald Fleisch. „Es ist wichtig, dass von den Verantwortlichen weiterhin die Voraussetzungen geschaffen werden, dass solche Leistungen erbracht werden können“, betonte Primar Karl Lhotta, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Dialyse am LKH Feldkirch. „Es ist erwiesen, dass dort, wo Forschung betrieben wird, auch die Qualität der Patientenversorgung sehr hoch ist“, führte Primar Richard Bauer, Leiter der Abteilung für Neurochirurgie, aus. Zu den wichtigsten Eigenschaften, um Ideen zu entwickeln und Studien erfolgreich umzusetzen, zählt Bauer Kreativität und Engagement.