Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Der Faktor Einkommen

Gesund / 29.04.2016 • 08:52 Uhr

Noch nie zuvor wurde der Zusammenhang von Einkommen und Lebenserwartung so systematisch untersucht. Eine Forschergruppe der Wirtschaftsuniversität Princeton (US-Bundesstaat New Jersey) hat mit weiteren renommierten Institutionen die amerikanische Lebenserwartung im Alter von 40 Jahren in Abhängigkeit von Einkommen und Regionen erforscht. Es wurden Daten von über vier Millionen verstorbenen Männern und 2,7 Millionen Frauen ausgewertet.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie (JAMA online 10. 04. 2016) unter Leitung von Raj Chetty sind:

» Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich mit dem Einkommen. Im Alter von 40 ist die Differenz in der Lebenserwartung von Individuen des obersten und untersten 1 Prozent der Einkommensverteilung bei den Männern 15 Jahre und 10 Jahre bei den Frauen.

» Für Personen im unteren Einkommensviertel unterscheidet sich die Lebenserwartung im Alter von 40 um etwa 4,5 Jahren zu den Personen im höchsten Einkommensviertel.

» Ab einem Haushaltseinkommen von $ 200.000 (entspricht ca. 15.000 Euro monatlich) kommt es zu keiner weiteren Zunahme der Lebenserwartung

» Von 2001 bis 2014 ist die Lebenserwartung im höchsten Einkommensviertel der Bevölkerung um drei Jahre, im niedrigsten Viertel um ein Jahr angestiegen.

» Der größte Teil der unterschiedlichen Lebenserwartung der Reichsten und Ärmsten scheint auf das Gesundheitsverhalten zurückzuführen sein. Rauchen, Bewegungsarmut und Fettleibigkeit sind bei den höheren Einkommensschichten deutlich weniger vertreten.

» Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen amerikanischen Bundesstaaten und Städten zeigen sich besonders bei den Ärmsten und kaum bei den Reichsten. Keinen starken Einfluss auf diese regionalen Unterschiede zeigen: Zugang zur medizinischen Versorgung, Umweltfaktoren, Ungleichheit in der Wohlfahrt und Arbeitsmarktbedingungen. Alle Unterschiede sind bei Männern stärker ausgeprägt.

Die Lebenserwartung von Frauen und Männern im Alter von 40 Jahren wird von sehr vielen Faktoren beeinflusst. Der in dieser Studie nachgewiesene starke Einfluss des Faktors „Einkommen“ scheint unter anderem wesentlich auf einem gesünderen Lebensstil von Reichen zu basieren.

Die Autoren beabsichtigen auch Bildung und Lebenserwartung zu untersuchen. Die Zusammenhänge von Schule, Bildung und Einkommen bzw. Gesundheit sind schon lange bekannt. In Deutschland wurde berechnet, dass jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium investiert, fünf Prozent mehr Lohn bringt.

Reiche können die Pension länger genießen.

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Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein