Jeder darf, keiner muss
Keine Schokolade zum Kaffee. Keine Chips zum Fußballspiel. Keine Gummibärchen zwischendurch. Kein Glühwein nach der Skitour. Und das sechs Wochen lang. Ob wir verwöhnten Bälger das aushalten? Schon der Gedanke daran jagt blanke Schauer durch den Körper. Denn allein mit dem Verzicht auf derlei essenzielle Darreichungen ist es ja nicht getan. Jetzt sollen wir auch noch digital fasten, das Auto stehen lassen und so weiter und so fort.
Der Überfluss lässt grüßen, und nicht nur das. Er frisst uns immer mehr auf, umschlingt uns wie eine Schlange ihre Beute. Der Unterschied: Sie drückt zu, uns aber bleibt genug Luft, um dem Luxus des Konsumierens frönen zu können.
Obwohl wir die Mechanismen des Markts durchschauen, oder zumindest meinen, sie zu durchschauen, tappen wir doch ständig in Angebotsfallen. Fragt sich nur, was es ist, das noch als Mangel angesehen wird. Viel dürfte einem da nicht einfallen.
Der Mensch kann nur mit einem Auto fahren. Er kann nur in einem Bett schlafen, von einem Teller essen und nur ein Paar schicke Lederschuhe anziehen. Aber das wissen wir selbstverständlich auch. Trotzdem fällt es uns schwer, wenigstens hin und wieder über solchen Dingen zu stehen. Warum? Weil es viele gewohnt sind, aus dem Vollen zu schöpfen.
Verzicht, fasten: Nennen Sie es, wie Sie wollen, aber es ist einen Versuch wert. Vor allem, weil mir nicht müssen, sondern dürfen. Schon das allein ist ein Privileg.
marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at
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