Lernen, mit Corona umzugehen

Industriellenvereinigungspräsident Martin Ohneberg über Szenarien für den Restart.
Lustenau Auch wenn die aktuellen Maßnahmen noch so einschneidend für Menschen und Betriebe sind – wir müssen lernen, mit Corona umzugehen. Wir können Schäden für Gesellschaft und Wirtschaft nur mit einem gemeinsamen Kraftakt minimieren. Das muss in den nächsten Wochen unser Ziel sein, um den Restart und das Comeback möglichst rasch zu schaffen.
Noch Ende Oktober, als wir die letzte Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie veröffentlicht haben, gab es – trotz unterschiedlichster Betroffenheit – bei vielen Betrieben tatsächlich „Licht am Ende des Tunnels“. Doch manche dieser Einschätzungen sind innerhalb kurzer Zeit wieder überholt. Der Geschäftsklimaindex der Vorarlberger Industrie wechselte damals nach einem beispiellosen Absturz im ersten Halbjahr 2020 vom Negativen ins Positive. Das lag vor allem daran, dass im Oktober Geschäftslage, Auftragsbestand und Auslandsaufträge deutlich positiver eingeschätzt wurden, als noch vor einigen Monaten.
Große Unterschiede
Doch sind wir schon beim Start des Restarts angelangt? Seit Corona ist es deutlich schwieriger geworden, von Trends in Branchen zu sprechen. Die Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen weisen große Unterschiede aus. Stärker betroffen sind nachvollziehbarerweise Betriebe, die etwa stark mit Tourismus verbunden sind, von Neu- und Folgeaufträgen abhängig sind oder einen hohen Dienstleistungsanteil anbieten. Reisebeschränkungen und Unsicherheiten auf Absatzmärkten wirken sich hier überproportional negativ aus. Durch Corona ist die Welt tatsächlich wieder ein Stück unberechenbarer geworden.
Wir Unternehmer müssen trotz allem mit Zuversicht die Zukunft angehen, ansonsten könnten wir uns nicht erfolgreich dem Wettbewerb stellen. Das fällt zugegebenermaßen in Zeiten in der viele Politiker so manche schwer nachvollziehbare Entscheidung treffen, schwer. Warum entwickeln wir mit viel Steuergeld ein Corona-App und schaffen es nicht, dass die Bevölkerung davon Gebrauch macht und es auch behördliche Beachtung findet? Und das, obwohl wir seit Jahren vom „digitalen Amt“ sprechen.Die Coronapandemie ist ein Weckruf, mutig neue innovative Wege zu gehen. Gemeinsam gilt es, Optimismus und Perspektive im Land zu verteilen. Gemeinsam gilt es zu lernen, mit Corona und diesen verrückten Zeiten umzugehen. Ob in diesen Zeiten die Politik richtig entschieden hat, werden wir erst in einigen Jahren beurteilen können. Bis dahin wissen wir auch, ob wir selber alle richtig entschieden haben. Ob es richtig war, solidarisch sich an die Verhaltensregeln zu halten, Rücksicht aufeinander zu nehmen, die Wirtschaft, Schulen und weitere Teile des Lebens größtmöglich am Laufen gehalten zu haben. Ich bin heute überzeugt, dieser gemeinsame Kraftakt lohnt sich.
Restart mit Marke Vorarlberg
Eine Chance sollten wir keinesfalls beim Restart in Vorarlberg verpassen und das ist die Positionierung Vorarlbergs in der Zukunft. Mit der „Marke Vorarlberg“ wurde in den letzten Jahren eine einzigartige, mutige Positionierung geschaffen: 2035 ist Vorarlberg der chancenreichste Lebensraum für Kinder. Wann, wenn nicht jetzt, gilt es, diese Positionierung kraftvoll und gemeinsam mit Leben zu befüllen, unser aller Handeln danach auszurichten und die „Marke Vorarlberg“ als Steuerungsinstrument anzuerkennen. Wir alle – die Landespolitik, die 96 Gemeinden, die Betriebe, Institutionen, Organisationen und Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens – sollten gemeinsam und aktiv auf diese Marke einzahlen. Dazu gehört es auch manchmal Nein zu sagen, wenn es nur um Klein-Klein und nicht das große Ganze geht. Nützen wir diese besondere Chance, die uns jetzt ausgerechnet Corona bietet.
Und was wir noch für den erfolgreichen Restart in Vorarlberg brauchen, ist etwas, was man sich nicht kaufen kann: Mut. Und diesen brauchen wir auf allen Ebenen. Mutige Entscheidungen sind die Keimzelle für Innovation. Mutige Entscheidungen sind damit für mich die Voraussetzung für soziale und wirtschaftliche Stabilität. Gerade in Zeiten der globalen Instabilität sollten wir uns alle das verstärkt zu Herzen nehmen. Wahrscheinlich war Mut noch nie so wichtig wie jetzt. Auch und gerade in Vorarlberg.
Unsere Vorarlberger Industrie
Wissen Sie, wie stark Vorarlberg und seine Wirtschaft von der Industrie geprägt sind? Dass diese nahezu 40 Prozent der Wirtschaftsleistung erbringt und mehr als jeden dritten Erwerbstätigen beschäftigt?
Dies und weitere Infos sowie aktuelle Standortthemen für die Wirtschaft und die Menschen im Land haben wir gemeinsam mit der Sparte Industrie in der WKV erarbeitet und im neuen Folder „Unsere Vorarlberger Industrie – Die wichtigsten Daten und Fakten“ veröffentlicht. Ein persönliches Exemplar der Broschüre kann einfach mittels QR-Code online heruntergeladen werden oder bestellt werden (auch in Englisch): Industriellenvereinigung Vorarlberg (vorarlberg@iv.at oder +43 5577 63030).
„Was wir für den Restart brauchen, ist etwas, was man sich nicht kaufen kann: Mut.“


Industriellenvereinigung
Die Industriellenvereinigung Vorarlberg ist ein freiwilliger Zusammenschluss von rund 150 Vorarlberger Unternehmen und 270 Persönlichkeiten aus Industrie und industrienahen Branchen. Sie ist Teil der IV Österreich, der größten freiwilligen Interessenvertretung österreichischer Unternehmer und Industrieller, und vertritt die Interessen der Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung, diversen Institutionen, Organisationen