Forschungen auf Universitätsniveau

Das VIVIT-Institut im LKH Feldkirch braucht den Vergleich wahrlich nicht zu scheuen.
feldkirch. Wissenschaftlich betrachtet sind 18 Jahre keine Zeitspanne. Viel, was an Forschung betrieben wird, dauert häufig länger. Das gilt insbesondere für den medizinischen Fortschritt. Umso bemerkenswerter nimmt sich die Entwicklung des 1996 am Landeskrankenhaus Feldkirch gegründeten VIVIT-Instituts aus. Die dort bislang erreichten Forschungsergebnisse führten zu über 200 Artikeln in angesehenen Fachzeitschriften. Zudem lieferte das Team um Geschäftsführer Prof. Dr. Heinz Drexel mehr als 1200 vielbeachtete Kongressbeiträge. Auch einige Ärzte verdanken ihre Karriere der wissenschaftlichen Tätigkeit am VIVIT-Institut.
Die Chance genutzt
Heinz Drexel, Leiter der Internen Abteilung am LKH Feldkirch, gerät ins Schwärmen, wenn er von dieser Einrichtung erzählt. „Was dort erbracht wurde, wäre schon für eine universitäre Forschungseinheit eine unglaubliche Leistung“, meint er. Umso beachtenswerter sei dies in einem Land ohne Universität. Deshalb will er jene, die das ermöglichten, nicht unerwähnt lassen. 1995 erhielt Drexel vom damaligen Gesundheitslandesrat Hans-Peter Bischof den Auftrag, die Chancen für eine eigene Forschung in Vorarlberg zu prüfen. „Es gab viele Hürden zu überwinden“, erinnert sich Heinz Drexel. Dafür verliefen dann die eigentlichen Gründungsgespräche positiv. Auch Martin Purtscher, zu dieser Zeit als Landeshauptmann in Amt und Würden, unterstützte die Idee von Anfang an. Mehr noch. Er übernahm im gemeinnützigen Verein VIVIT sogar die Funktion des Präsidenten und hat sie bis heute inne.
Anfänglich musste sich das Institut noch selbst finanzieren. Das nötige Geld spülte die Teilnahme an internationalen Studien in die Kasse. „Auf diese Weise konnten wir bald zusätzlich landeseigene Untersuchungen durchführen“, erzählt Heinz Drexel von der Geburtsstunde origineller Forschungen, die eine wahre Fundgrube für immer neuere Erkenntnisse darstellt. Teilnehmer zu rekrutieren, ist laut dem VIVIT-Geschäftsführer nicht allzu schwierig. Es bestehe eine große Bereitschaft bei den heimischen Patienten, an solchen Studien mitzumachen. Gute Vorarbeit leistet ein geschultes Team, das die Leute aufklärt. Zudem muss jede Studie zuerst von der Ethikkommission genehmigt werden.
Karrenstudie als Meilenstein
Konkret ist das VIVIT-Institut in der Grundlagen- und patientenangwandten Forschung tätig. Erstere wird in einem im Competence Center in Dornbirn eingerichteten molekularbiologischen Labor durchgeführt, zweitere am LKH Feldkirch. Dort wird ebenfalls ein molekularbiologisches Labor betrieben. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse als solche entstammen im Wesentlichen zwei Programmen. Der Großteil resultiert aus Untersuchungen zu Diabetes und anderen Risikofaktoren bei Gefäßerkrankungen des Herzens und der Beine. Ein Meilenstein auf dem Weg in den internationalen Wissenschaftsolymp war aber wohl die weltweit bekannt gewordene Karrenstudie. Darin wurde überhaupt erstmals nachgewiesen, dass die Muskulatur des Menschen auch beim Abwärtsgehen so aktiv ist, dass es zu einer günstigen Beeinflussung des Stoffwechsels kommt.
Neu im Fokus der heimischen Wissenschafter ist das menschliche Fettgewebe, bei dem es sich um ein hormonproduzierendes Organ handelt. Das VIVIT-Institut lieferte wesentliche Erkenntnisse über die dort erzeugten Hormone. Dank finanzieller Unterstützung durch die Nationalbank und den Österreichischen Fonds der Wissenschaftlichen Forschung konnte eine Fettgewebekultur aufgebaut werden. „Für das VIVIT-Institut war es ein besonderer Erfolg, solche Gelder nach Vorarlberg bringen zu können“, sagt Prof. Heinz Drexel. Aber gut angelegt sind sie auf jeden Fall.
Denn das VIVIT-Institut erweist sich auch als Kaderschmiede für den Wissenschaftsnachwuchs. So erhielt Christoph Säly, heute Stellvertreter von Drexel, vor sieben Jahren als jüngster Mediziner die Dozentur. Der Chefarzt des LKH Hohenems, Günter Höfle, wurde ebenfalls aufgrund seiner wissenschaftlichen Publikationen aus dem VIVIT-Institut zum Privatdozenten ernannt. Weitere Habilitationen und eine Universitätsprofessur sind eingereicht.
Mit mehr Geld könnte das VIVIT-Institut in der medizinischen Forschung noch wesentlich mehr leisten.
Heinz Drexel
Wissenswertes zum VIVIT-Institut
» Im VIVIT-Institut arbeiten fünf Naturwissenschafter, eine Forschungsschwester, eine Sekretärin sowie vier Ärzte.
» 300.000 Euro beträgt das jährliche Budget. Förderungen kommen vom Land, der Krankenhausbetriebsgesellschaft sowie Sponsoren.
» Ein Finanzierungselement ist die Mitgliedschaft im Forschungsverein VIVIT. Mitgliedsbeitrag: 22 Euro. Infos: Tel. 05522/303-2670, E-Mail: vivit@lkhf.at
» Eine intensive Kooperation besteht auch mit dem Medizinischen Zentrallabor Feldkirch. Ebenso gibt es einen Ergebnisaustausch mit der Gesundheitsdatenbank des aks.
» 500 Experten haben unlängst in einer bundesweiten Abstimmung die Interne Abteilung am LKH Feldkirch zu den besten Österreichs gewählt und dabei auch die besondere Rolle des VIVIT betont.