5 Fragen an … Ingrid Benedikt

In Österreich landen jedes Jahr unzählige genießbare Lebensmittel unnötigerweise im Müll. Ingrid Benedikt, Initiatorin des Projekts „Offener Kühlschrank“ in Vorarlberg, setzt sich aktiv gegen diese Verschwendung ein. In ihrer Küche zaubert sie aus diesen geretteten Zutaten wahre kulinarische Köstlichkeiten.
Du bist Initiatorin des „Offenen Kühlschranks“ in Vorarlberg. Wie hat sich deine eigene Koch- und Ernährungsweise in den vergangenen Jahren damit verändert? Ich habe immer schon darauf geachtet, keine Lebensmittel zu verschwenden. Seit ich mich aber für das Projekt „Offener Kühlschrank“ engagiere, ist es fast wie ein Sport, ich achte noch viel mehr darauf, nichts wegzuwerfen. Vor allem die Verwertung von Resten macht richtig Spaß: zu überlegen, was noch ein bisschen aufgewertet werden kann.
Welche praktischen Tipps gibt es, wie man im Alltag Lebensmittelverschwendung reduzieren kann? Ein erster, sehr hilfreicher Tipp ist, alles aufzuschreiben, was fehlt und die Liste beim Einkaufen mitzunehmen. Auch eine Essensplanung für mehrere Tage ist hilfreich. Zu überlegen, wie viele Male esse ich zu Hause, wann bekomme ich Besuch, was ist aktuell noch im Kühlschrank oder Garten …
Hast du ein Lieblingsgericht, das du besonders gerne zubereitest? Wie passt dieses Gericht zu deinem Engagement für weniger Lebensmittelverschwendung? Was ich liebe sind Tiramisus, z. B. nach Weihnachten Lebkuchen-Tiramisu oder Vanillekipferl-Kirsch-Tiramisu. Sehr gerne bereite ich außerdem Speisen mit dem Gemüse und dem Obst aus meinem Garten zu. Im Sommer sind das meine Tomaten, verschiedene Salate, Gemüse wie Kohlrabi, Erbsen, Rhabarber… Ich genieße es, durch den Garten zu gehen und zu schauen, was ich aktuell ernten kann.

Beim Verwerten von Brot bin ich sehr kreativ. An oberster Stelle stehen Knödel und Chips aus Baguettes. Das ist übrigens auch der Hit, wenn ich einen Workshop in Schulen habe. Da ist es oft ein richtiges „Aha-Erlebnis“, wenn Kinder oder Jugendliche Brotchips herstellen.
Was macht den Frühling kulinarisch für dich aus? Jetzt im Frühling ist es ein Genuss, den ersten Schnittlauch abzuschneiden und zu schauen, welche Kräuter schon „spitzeln“. Wenn ich dann in der Küche stehe und die frischen Kräuter schneide, dann habe ich den Frühling in der Nase. Eines meiner Lieblingsgemüse ist der Bärlauch und die Knoblauchrauke, die man sehr vielfältig verarbeiten kann: zu Pestos, frisch als Salat, in Knödeln (mit Altbrot), Aufläufen… Die ersten jungen Blätter (Himbeerblätter, Brombeerblätter, Spitzwegerich,…) und Blüten (Veilchen, Gänseblümchen…) sammle ich das ganze Jahr über und trockne sie als Tee.
Was bedeutet Genuss für dich? Genuss ist für mich, durch den Garten zu gehen, schauen, wie alles wächst und dann zu überlegen, was koche ich und wie bereite ich es zu. Gerne genießen wir das mit der Familie und mit Gästen. Wenn wir im Sommer draußen essen können, den Duft von verschiedenen Pflanzen in der Nase, wie z. B. an den Abenden den Duft von Nachtviolen, und der Duft von frisch geschnittenem Gras – das ist für mich Genuss pur!

Offener Kühlschrank Vorarlberg
… 14 Standorte, weitere in Planung
… die Kühlschränke werden regelmäßig kontrolliert und gesäubert
… freie Entnahme und Befüllung noch genießbarer Lebensmittel
… hinein dürfen: Ernteüberschüsse, abgepackte (und ungeöffnete) Lebensmittel sowie Eingekochtes
… kreative Reste-Rezepte auf der Website
… mehr Infos: offener-kuehlschrank.at
Bilder: VN/Steurer, Ingrid Benedikt