“Ich liebe jegliche Stimmung am See”

Wohin / 18.07.2019 • 10:26 Uhr
Mélissa Petit stammt aus Südfrankreich, debütiert in Bregenz in der Partie der Gilda und stellt sich dabei auf der Seebühne einer enormen Herausforderung.  VN/Hartinger
Mélissa Petit stammt aus Südfrankreich, debütiert in Bregenz in der Partie der Gilda und stellt sich dabei auf der Seebühne einer enormen Herausforderung.  VN/Hartinger

Im Vorjahr hat sie die Micaela in „Carmen“ gesungen, heuer debütiert die französische Sopranistin in „Rigoletto“.

Bregenz Jede nächste Gilda wird sich für sie wie ein Stück Kuchen anfühlen, umschreibt Mélissa Petit die Herausforderung, die sich ihr auf der Bregenzer Seebühne stellt, wo sie zudem in der großen Verdi-Rolle debütiert. Wer bei „Rigoletto“ gleich „La donna è mobile“ im Ohr hat, sollte nicht vergessen, dass die Arie der Gilda, nämlich „Caro nome“, nicht minder berühmt geworden ist.

 

Wo liegt konkret die Herausforderung für Ihre Rolle an diesem Ort?

Petit Zu versuchen, auf dieser Bühne nicht verloren zu gehen. Wir haben mit enorm viel Körpereinsatz zu agieren, damit die Zuschauer die Handlungen der Personen mitverfolgen können. Die gesangliche Herausforderung ist nicht größer als auf einer Opernbühne. Wir singen auch exakt so, wie wenn es im Haus wäre.

 

Sie kennen die Seebühne schon, weil Sie im Vorjahr die Micaela in „Carmen“ gesungen haben.

Petit Ja, das war sogar in etwa 20 Metern Höhe auf einer dieser beiden Hände und eine wunderbare Erfahrung. Aber diese Hand hat nicht gewackelt. Der Korb unter dem Ballon, in den ich steige, bewegt sich mitunter leicht hin und her.

 

Wussten Sie gleich, was dieses Mal auf Sie zukommt?

Petit Es gab ein Treffen mit Elisabeth Sobotka, Philipp Stölzl und Susanne Schmidt (Anm: mit der Intendantin, dem Regisseur und der Operndirektorin der Bregenzer Festspiele), dabei wurde durchgesprochen, was mir alles widerfahren könnte und wie es bei mir mit der Angst vor der Höhe steht.

 

Lieben Sie die Rolle? Wie sehen Sie dieses Mädchen, das da Erfahrungen mit dem Verliebtsein macht bzw. auch machen will.

Petit Ja, ich liebe die Rolle sehr. Gilda befindet sich in diesem Moment zwischen Kindsein und Erwachsensein. Das ist an sich eine sehr schöne Zeit im Leben eines Menschen. Sie öffnet sich der Welt, sie will ihre Erfahrungen sammeln, einiges ausprobieren. Rigoletto liebt seine Tochter, vielleicht aber eben ein bisschen zu sehr. Er sperrt sie ein, weil er sie nicht verlieren will. Sie weiß, dass sie ihn verletzen muss, damit sie ihr Leben leben kann.

 

Sich als Frau für einen Mann, in diesem Fall den Herzog, zu opfern, ist ein typisches Opernklischee. Geht sie bewusst in den Tod?

Petit Es ist mehr eine Intuition, ich glaube nicht, dass sie wirklich darüber nachdenkt.

 

Sie haben gerade am Opernhaus Zürich in „Hippolyte et Aricie“, einer Barockoper, überzeugt, in welche Richtung möchten Sie Ihr Repertoire weiterentwickeln?

Petit Ich möchte mehr in Richtung Belcanto gehen und ich liebe Barockopern. Sie bieten eine gute Möglichkeit, die Stimme zu trainieren. Als nächstes kommt „Roméo et Juliette“ und „Orphée et Eurydice“.

 

Sie haben sehr jung zu singen begonnen, gibt es Musiker in Ihrer Familie?

Petit Mein Vater ist Schauspieler, leitet eine regionale Bühne, Theaterbühnen sind für mich nichts Außergewöhnliches. Ich habe immer gerne gesungen. Meine Mutter sagte, ich sollte Gesangsstunden nehmen, aber nach einem Jahr muss ich wissen, in welche Richtung ich gehen möchte.

 

Sie sind in Südfrankreich aufgewachsen. Hat Sie die Landschaft geprägt?

Petit Ja, ich liebe jegliche Stimmung am See. VN-cd

Zur Person

Mélissa Petit

Geboren in Saint-Raphaël (F)

Ausbildung Musikschule Saint-Raphaël, Universität Nizza

Werdegang zahlreiche Partien in Opernhäusern in Frankreich, Deutschland, der Schweiz, etc., Micaela in der Bregenzer „Carmen“

Verdis “Rigoletto” wird auf der Bregenzer Seebühne heuer bis zum 18. August gespielt. In der kommenden Saison steht die Produktion wieder auf dem Programm.