„Der Vorarlberger tickt genau wie jeder andere“

Kabarettist Stefan Vögel ist ab März mit seinem neuen Solokabarett zu sehen.
In Ihrem neuen Programm „Das Auge des Tigers“ geht es um die Midlife-Crisis. Was gab den Anstoß zu diesem Programm?
Vögel: Eine tiefe persönliche Krise. Nein, im Ernst, mich hat’s bislang nicht erwischt. Die im Stück aufgeworfenen Fragen dagegen stellt sich wohl jeder Mann irgendwann: Gehöre ich schon zu den Alten oder bin ich eher noch bei den Jungen? Habe ich privat und beruflich erreicht, was ich wollte, und wenn nein: Welche Weichen kann oder soll ich noch stellen? Nur die Antworten darauf sind verschieden.
Sie sind ja aber doch im besten Midlife-Crisis-Alter – ist alles erfunden oder haben Sie die eine oder andere eigene Erfahrung mit einfließen lassen?
Vögel: Für mich als Autor ist Theater zuallererst ein lustvolles Gedankenspiel, ein Durchdenken und -spielen, was eine Figur in bestimmten Situationen und mit bestimmten Handlungen erleben könnte, im Guten wie Schlechten. Mit mir selbst hat Markus Malin charakterlich wenig zu tun, dazu ist er mir zu fremdbestimmt. Und passiert ist mir von meiner Geschichte auch nur ein kleiner Bruchteil – welcher, wird aber nicht verraten.
Wie und wo haben Sie denn für dieses Thema recherchiert?
Vögel: Ich habe zuerst einfach mal meine männlichen Fantasien spielen lassen. Und danach habe ich mich mit einer Psychiaterin zusammengesetzt, die solche Fälle behandelt. Und die meinte: Stefan, die Wahrheit ist noch viel drastischer. So ist es oft als Autor: Man fasst die Realität zu kurz, weil man die Menschen gerne anständiger sähe, als sie sind.
Wie entsteht ein Stefan-Vögel-Kabarett, wie gehen Sie an ein neues Programm heran?
Vögel: Das ist eine Mischung aus planen und mich treiben lassen. Eine Figur entwickelt sich ja oft erst durch das Schreiben selbst. Man lernt sie förmlich mit jedem Tag besser kennen, wie auch echte Menschen. Aber klar, eine amüsante Story sollte man ihr natürlich auch mit auf den Weg geben.
Es sind immer waschechte Vorarlberger, die Sie darstellen. Was macht den typischen Vorarlberger aus?
Vögel: Ich glaube, der tickt genau wie jeder andere. Vielleicht mit dem Unterschied, dass ihm die Meinung seiner Mitmenschen etwas wichtiger ist als anderswo.
Midlife-Crisis bedeutet ja auch, den Sinn im Leben verloren zu haben. Was macht für Sie Sinn im Leben?
Vögel: Familie, Freunde, Schreiben, Genießen. Möglichst im Hier und Jetzt, ohne etwas auf später zu verschieben. Denn bald kommt das Nichts. Aber das tut wenigstens nicht weh.
Wie vertreiben Sie schlechte Laune? Was tun sie gegen den Winterblues?
Vögel: Ich bleibe von trüben Gedanken meist verschont. Das Wetter und die Jahreszeiten jedenfalls haben keinen Einfluss auf meine Stimmung. Ich kann bei Sonnenschein so schlechtgelaunt sein wie fröhlich im Regen, und umgekehrt.
Abschließend: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Vögel: Erstens eine umfassende Verschonung vor Schicksalsschlägen, zweitens eine Weinsammlung erben und drittens drei weitere Wünsche.
Zur Person
Stefan Vögel
Geboren: 10. April 1969
Wohnort: Mauren, Liechtenstein
Familienstand: verheiratet
Lebensmotto: Trau dich!
Stefan Vögel – „Das Auge des Tigers“: Premiere ist am 7. März im Alten Kino Rankweil. Weitere Termine: www.komisch.com.