„Hatte mit 18 das Gefühl, viel erreicht zu haben“

Addys Mercedes bringt demnächst Kuba-Feeling an den Spielboden Dornbirn.
schwarzach. Die warme Stimme von Addys Mercedes entführt das Publikum in ein Kuba zwischen Fröhlichkeit und Melancholie. Die Sängerin im VN-Interview.
Du bist in Kuba aufgewachsen und Anfang der 90er-Jahre nach Deutschland gekommen. Wie hat sich das ergeben?
Mercedes: Bevor ich nach Deutschland, kam habe ich in einem Tourismuszentrum gesungen. Dort habe ich meinen Ex-Mann kennengelernt, der dort seinen Urlaub verbrachte. 1993 kam ich dann kurz vor Weinachten nach Deutschland. Das war ein Klima- und Kulturschock.
Was vermisst du von deiner sonnigen Heimat Kuba am meisten?
Mercedes: Ich vermisse besonders meine Familie, Freunde und Musiker, die mich damals begleitet haben. Manchmal auch die Spontaneität und die Eigenschaft der Kubaner, in den schwierigsten Situationen Freude zu finden. Mir fehlt auch die Sonne. Im Winter gehe ich oft auf Tour, das lässt mich das Wetter vergessen.
Du bist mit zehn bereits mit deinem Gitarrenlehrer als Duo aufgetreten, hattest mit 15 deine eigene Band – wolltest du immer Sängerin werden?
Mercedes: Als junges Mädchen habe ich davon geträumt, Balletttänzerin oder Schauspielerin zu werden. Nach jahrelangem Bitten ist meine Mutter mit mir in die nächste Provinzstadt Guantánamo gefahren und ich konnte eine Audition an der staatlichen Ballettschule machen. Als ich abgelehnt wurde, brach für mich eine Welt zusammen. Ich habe aber auch immer schon den ganzen Tag gesungen und oft haben mich Nachbarn eingeladen, um ihnen etwas vorzusingen. Irgendwann hatte ich dann immer mehr Spaß am Singen.
In deiner Band spielen auch deine Tochter und dein Lebensgefährte mit.
Mercedes: Ja, ich finde das sehr interessant, besonders hier in Europa, wo es nicht so üblich ist, dass Eltern und Kinder gemeinsam Musik machen. Auf Tour erleben wir viel gemeinsam und lernen voneinander: Lia studiert klassische Geige und bringt ihre Einflüsse in die Musik ein, über mich lernt sie die kubanische Musik kennen. Wenn wir Ruhe voneinander brauchen, gehen wir aber auch mal getrennte Wege.
Du hast 2014 dein viertes Album „Locomotora a Cuba“ veröffentlicht, was bedeutet der Titel?
Mercedes: Meine „Lokomotive nach Kuba“ verbindet die Welt mit Kuba. Wenn ich den Blues habe, fahre ich mit ihr imaginär ein paar Tage nach Kuba. Wenn ich meinen Kubahunger gestillt habe, nehme ich meine ganze Familie mit nach Europa und zeige ihnen meine Alltagswelt, die sie sich so schwer vorstellen können. Die Songs des Albums sind wie dieser Traumzug. Sie verbinden meine Welten.
Inwiefern unterscheidet das Album sich von seinen Vorgängern?
Mercedes: Mein erstes Album war sehr traditionell, ich hatte – nach Jahren in Deutschland – die Sehnsucht, mit Musikern, die ich von früher kannte, meine eigene Musik zu machen. Nachdem wir mit einer Band mit kubanischen Musikern zwei Jahre getourt sind, hatte ich bei meinem zweiten Album „Nomad“ das Bedürfnis, auf die Suche zu gehen und viele Einflüsse einzufangen, die ich
nie in meinen eigenen Liedern gehört habe: Von House bis Reggae, es hatte viele elektronische Elemente. Seit dem dritten, nach mir benannten Album „Addys“, habe ich das Gefühl, diese unterschiedlichen Welten in meiner Musik besser verbinden zu können. Wir haben begonnen, mit unserer Familyband aufzunehmen, wodurch die Lieder für mich immer persönlicher werden konnten.
Zur Person
Addys Mercedes
Geboren: 1973 in Moa, Kuba
Instrumente: Addys Mercedes spielt Gitarre, Bass und Cajón sowie kubanische Percussionsinstrumente wie Maracas, Güiro und Claves.
Die Sängerin wird bei ihren Tourneen seit 2001 von ihrer Familienband mit ihrer Tochter Lia (Geige, Keyboard, Percussion), ihrem Lebensgefährten Cae Davis (Bass, Gitarre, Cajon) und dem „Adoptivonkel“ Pomez di Lorenzo (Gitarre, Tres, Ukulele) begleitet.
Konzert mit Addys Mercedes, Samstag, 14. März, am
Spielboden Dornbirn. Karten: 05572/21333, www.spielboden.at