Methanol – die Lösung für Autos?

Warum sich ein zweiter Blick lohnt.
schwarzach Bei großen Problemen tauchen auch immer Erfinder auf, die solche Probleme mit einem Schlag zu lösen versprechen – ohne zu große Kosten, ohne Umweltschäden, ohne irgendwelche Nachteile. Fast immer verfestigt sich der instinktive Eindruck: zu schön, um wahr zu sein. Daran erinnert die Methode eines deutschen Ingenieurs, der seit Jahren eine Methanol-Brennstoffzelle propagiert, auch einen mit Methanol betriebenen Sportboliden bauen will. Zu Demonstrationszwecken, versteht sich, funktionieren würde die Methode auch mit „normalen“ Autos. Randbedingungen: Tanken in ein paar Minuten, dann fahren. Achthundert Kilometer! Dass nenne ich eine Ansage.
Was wird getankt? Eben Methanol, Methylalkohol. Diese Brennstoffzelle gibt es schon seit den fünfziger Jahren; aber der Sportwagen soll mit einem neuen Typ ausgerüstet sein. Dabei wird das Methanol erhitzt und spaltet Wasserstoff ab, der dient dann einer üblichen Wasserstoff-Brennstoffzelle als Treibmittel. Das Kohlenstoffatom im Methanol (es hat nur eines), geht als Kohlendioxid in die Luft. Moment: wir wollten doch „dekarbonisieren“, also auf Kohlenstoff ganz verzichten? Und woher stammt überhaupt das Methanol? Es ist ein Chemierohstoff, hergestellt wird es aus Synthesegas, das heißt aus Erdgas oder Kohle. Klimatechnisch kann man das gleich wieder vergessen, propagiert wird natürlich „grünes“ Methanol. Das macht man aus Kohlendioxid und „grünem“ Wasserstoff, der stammt aus „grünem“ Strom (Sonne und Wind). Das Kohlendioxid ist leider nicht grün, das gewinnt man nämlich aus Rauchgasen, die bekanntlich übrigbleiben, wenn man etwas Fossiles verbrennt, Erdgas, Erdöl, Kohle. Was ist dann der Vorteil der Sache? Das Kohlendioxid, das sowieso entsteht, macht einen Umweg über das Methanol und wird am Ende nicht aus einem Schornstein in die Luft geblasen, sondern aus dem Auspuff des Brennstoffzellenautos. Seine Erzeugung wird also zweimal genutzt, allerdings mit erheblichem Aufwand. Als Vorteile blieben: man erspart sich den Druckbehälter für das Wasserstoffgas, und die Umrüstung der Tankstellen wäre viel billiger. Die CO2-Bilanz ist theoretisch neutral, in Wirklichkeit aber positiv (schlecht fürs Klima!), weil kein Prozess mit hundert Prozent ablaufen kann. Der Erfinder nennt Methanol „veredelten Wasserstoff“. In der Tat: Veredelt mit einer Menge Strom. Als Speicher für grünen Überschussstrom ist das Verfahren sicher interessant. Der Knackpunkt liegt beim Kohlendioxid. Wenn die Industrie in ferner Zukunft total dekarbonisiert ist- woher kommt dann das Kohlendioxid für die Methanolerzeugung? Tja, dann müsste man das Gas aus der Luft extrahieren. Mit noch mehr grüner Energie. Manche Ideen sind auf den ersten Blick wirklich gut. Aber halt nur auf den ersten.