Als Vorarlberg vom Mars träumte

Wissen / 28.05.2021 • 16:15 Uhr
Die VN berichteten 1963 über eine sowjetische Marsmission
Die VN berichteten 1963 über eine sowjetische Marsmission

Der rote Planet beflügelte schon früh die Fantasie der ­Zeitungsleser.

Schwarzach Der Mars-Roboter Perseverance sorgt derzeit beinahe täglich für Aufsehen. Erstmals hat er es geschafft, auf einem fremden Planeten Sauerstoff zu erzeugen. Vor kurzen gelang der NASA mit dem Flug des an Bord von Perseverance mitgelandeten Hubschraubers Ingenuity ein weiterer Meilenstein der Raumfahrt. Der Mars fasziniert die Menschheit seit langem und hat auch in Vorarlberg immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

So fieberten die VN schon 1963 mit, als die Sowjetunion ihre Sonde „Mars 1“ zum roten Planeten sandte. Diese sollte unter anderem Bildaufnahmen machen und eventuell Leben finden. Allerdings versagte die Technik und die Sonde flog am Mars vorbei. Den Glauben an Marsmenschen hatte man da bereits aufgegeben. Man hielt es aber noch für möglich, dass es auf dem Planenten „wenigstens eine primitive Pflanzenwelt aus Moos, Flechten und Algen geben könnte.“

Keine Marsingenieure

In früheren Jahren war man noch euphorischer gewesen. Nachdem der Italiener Giovanni Schiaparelli 1877 auf dem Mars Kanäle entdeckt haben wollte, gingen die Phantasien hoch. Später stellten sich diese als unterschiedliche geologische Strukturen heraus. Doch damals glaubten viele an die Ingenieurarbeit intelligenter Wesen. Auch die Vorarlberger Zeitungen berichteten immer wieder über die wildesten Theorien. 1911 zitierte das „Vorarlberger Tagblatt“ die Ausführungen eines französischen Zoologen, der das Leben auf den Nachbarplaneten beschrieb: „Während sich auf der Venus günstige Bedingungen für wechselwarme Tiere ausbildeten, mußten sich auf dem Mars die warmblütigen Tieren entwickeln.“ Heute weiß man, dass die tiefsten Temperaturen auf der Venus bei 437° C liegen und der Druck selbst Raumsonden zerquetscht.

Die Meldungen über den roten Planeten widersprachen sich oft binnen kurzer Zeit. So verkündete das „Vorarlberger Volksblatt“ 1926, dass die Marsatmosphäre wider erwarten völlig anders beschaffen sei als jene der Erde. „Jetzt muß man sich damit abfinden, daß Lebewesen, wie wir sie auf unserem Planeten haben, auf dem Mars nicht existieren können.“ Damit dürfte „die schöne Legende von dem Marsmenschen und Marsingenieuren bald die Chronik der großen wissenschaftlichen Irrtümer bereichern.“

Das „Vorarlberger Tagblatt“ vermeldete hingegen nur ein Jahr später, dass die Marsatmosphäre „sogar für uns Menschen zur Not atembar sein dürfte“. Das hätten Spektralbeobachtungen durch Astronomen in den USA ergeben. Einige Wissenschafter würden daher von einer „hochalpinen oder tundraartigen Marsflora“ ausgehen. „Wenn es dort aber Pflanzen und Tiere gibt, so ist es höchstwahrscheinlich, daß unser Nachbarplanet auch Menschen beherbergt.“

Angst vor den Marsianern

Die Vorstellung einer außerirdischen Zivilisation auf dem Mars beflügelte die menschliche Vorstellungskraft. Dass das Hörspiel „Der Krieg der Welten“ 1938, wie häufig berichtet, eine Massenpanik unter amerikanischen Radiohörern ausgelöst haben soll, wird heute bezweifelt. Das „Vorarlberger Volksblatt“ meldete dafür 1949 ein ähnliches Vorkommnis. Demnach seien in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito 17 Menschen ums Leben gekommen, nachdem ein Radiohörspiel die Landung von Marsmenschen gemeldet hatte.

Solche Spekulationen um den Erdnachbarn konnten erst durch die modernen Marsmissionen beseitigt werden. Mit Teleskopen allein werde man „nicht imstande sein, alle Rätsel der Marswelt zu lösen“, gab schon das „Vorarlberger Tagblatt“ 1927 zu bedenken. „Das wird erst gelingen, wenn dereinst das Weltraumschiff den furchtbaren Abgrund des Raumes überwindet und unsere Nachkommen persönlich zum Mars hinübertragen wird“. Damals dachte man also schon an raumfahrende Vorarlberger, aber noch nicht an ausgetüftelte Roboter.