Neue Kälte

Wissen / 12.03.2021 • 12:24 Uhr
Klimaanlagen sind Stromfresser.Adobe Stock
Klimaanlagen sind Stromfresser.Adobe Stock

Wie man den Klimawandel erträglich macht.

Schwarzach Die Winter, heißt es, werden durch den Klimawandel deutlich wärmer, die Sommer weniger – aber Hitzeperioden nehmen zu. Das hat Auswirkungen aufs Raumklima. Ich musste selbst vor vielen Jahren in einem nicht klimatisierten Labor feststellen, wie die Leistungsfähigkeit mit der Temperatur stetig abnimmt. Bei 28 Grad gab es dann einen Knick nach unten. Das waren nur ein paar Tage im Hochsommer, in den Tropen schaut es unter den kommenden Bedingungen ganz anders aus. Dort kann die Industrie ohne Klimatisierung nie Weltstandard erreichen.

Klimaanlagen sind aber Stromfresser, es droht ein Teufelskreis. Mehr Wärme durch Klimaerwärmung, mehr Klimaanlagen, noch mehr Klimaerwärmung. Aber das muss nicht so kommen. Das Zauberwort heißt: barokalorischer Effekt. Kalorisch ist ein Stoff, wenn er Wärme aufnimmt oder abgibt, und baro heißt, dass er das unter Druck tut. Funktioniert so: Die Substanz wird unter Druck gesetzt, sie ordnet die Moleküle in ihrem Innere neu und gibt dabei Wärme ab. Die entfernt man durch Kühlschlangen und leitet sie ins Freie. Dann wird der Druck aufs Material reduziert – worauf es sich abkühlt. Diese klimatisiert die Innenräume. Ist der Kältevorrat verbraucht, beginnt der Kreislauf von neuem. Ein Beispiel ist Neopentylglykol, ein relativ preiswert herzustellender Grundstoff für Lacke und Harze. Er zeigt bei der Prozedur eine Abkühlung von 50 Grad! Vorteil: Keine flüchtigen Kältemittel, die bei Freisetzung als Treibhausgase mehrere Tausend Mal wirksamer sind als Kohlendioxid. Natürlich braucht auch das barokalorische Klimagerät Antriebsenergie. Die ist umso größer, je stärker das Material zusammengedrückt wird und je höher der Druck ist. Angaben sind spärlich, man strebt eine 80Prozentige Reduktion der Treibhausgase an. Neopentylglykol ist nur eine Modellsubstanz, der der dieser erstaunliche Effekt entdeckt wurde. Sie leidet bei wiederholten Zyklen unter Hysterese, heißt schlicht: das Material funktioniert mit der Zeit immer schlechter, bis es unbrauchbar wird. Inzwischen sind andere Substanzen im Einsatz, die das Problem nicht mehr haben. – Ein anderer Ansatz beruht darauf, Entfeuchtung und Kühlung voneinander zu trennen; dies ist bei herkömmlichen Klimageräten nicht der Fall. Das metallorganische Material einer amerikanischen Firma kann der Luft das Wasser entziehen, ohne sie abzukühlen; die Luft muss danach weniger stark gekühlt werden, um einen Komforteffekt zu erreichen. Mit der warmen Seite des normalen Kühlaggregats wird das Wasser dann aus dem „Schwamm“ wieder ausgetrieben. Was sich durchsetzen wird, ist nicht klar, etwas wird geschehen müssen, sonst ist die Klimatisierung 2050 der größte Stromverbraucher in Haushalten – mit gewaltigem Treibhauspotenzial.