Supererden

Heimat der flachen Aliens?
Schwarzach Bis 1995 waren die einzigen bekannten Planeten die unseres Sonnensystems – dann entdeckten Schweizer Wissenschaftler den ersten Planeten, der nicht um die Sonne kreist, sondern um einen weit entfernten Stern. Das war eine Sensation, bedeutete es doch: Der Typus „Planet“ ist nicht auf unsere nächste kosmische Umgebung beschränkt! Bald stellt sich mithilfe raffinierter Geräte heraus, dass Planeten eher die Regel als die Ausnahme darstellen, inzwischen sind mehrere tausend sogenannte Exoplaneten bekannt, jede Woche kommen ein paar dazu. Die Chancen für außerirdisches Leben stiegen rasant, jede zweite der zweihundert Milliarden Sonnen in unserer Galaxis, der Milchstraße, sollte demnach planetare Begleiter haben. Allerdings – das dämpfte die Anfangseuphorie – sind die Exos, die man inzwischen kennt, recht komische Gesellen. Es gibt einen ganzen Zoo von Exoplaneten, die bei allen Unterschieden ein gemeinsames Merkmal tragen: zum Leben in jeder Form völlig ungeeignet. Eine Ausnahme könnte eine recht zahlreiche Gruppe bilden, die Supererden. So genannt, weil sie unserer Erde gleichen (wenigstens ungefähr), aber größer und schwerer sind. Sie bestehen aus Gestein, sind also nicht völlig von Wasser bedeckt. Man darf einen massiven Eisenkern annehmen, wie ihn auch die Erde hat – der erzeugt ein Magnetfeld, das schädliche kosmische Strahlung abhält. Eine Supererde dürfte auch eine Atmosphäre haben, je massiver der Planet, desto dicker die Atmosphäre, auch gut als zusätzlicher Strahlenschutz und als Temperaturausgleich (= Wetter!). Der Hauptpunkt bei der Diskussion um Leben auf solche Planeten ist natürlich der Abstand zu ihrer Sonne. Zumindest einige befinden sich in der habitablen Zone, wo es weder zu heiß noch zu kalt für das Leben ist.
Schwerkraft
Die bekannten Supererden sind zwei bis fünfzehnmal schwerer als die Erde. Was würde es bedeuten, auf so einem Planeten zu stehen? Hie gilt die einfache Regel: Die Schwerkraft auf der Oberfläche steigt mit dem Durchmesser des Himmelskörpers. Voraussetzung ist eine gleiche Dichte wie die Erde. Auf einer Supererde von zehnfacher Erdmasse hätten wir also das zehnfache Körpergewicht, wir würden zerquetscht. Lebewesen, die sich dort entwickelt haben, wären natürlich an die massive Schwerkraft angepasst. Der amerikanische Science-Fiction-Autor Hal Clement hat sich so eine „schwere“ Welt vor fast siebzig Jahren ausgedacht, sein Roman hieß auf Deutsch „Unternehmen Schwerkraft“. Die dort lebenden „Meskliniten“ sind krabbenartige Lebewesen, warum? Weil Krabben flach sind – wenn sie stolpern, fallen sie nicht tief … Hal Clement starb 2003, nur zwei Jahre bevor die erste „Supererde“ entdeckt wurde. Ob es auf irgendeinem dieser Himmelskörper landbewohnende Lebewesen gibt, wissen wir nicht. Aber wenn es sie gibt, sind sie flach. Die Gesetze der Physik und der Evolution gelten im ganzen Universum. Christian Mähr