Marsfieber

Wettlauf zum Roten Planeten, warum?
Schwarzach Allmählich wird es unübersichtlich: Gegenwärtig sind allein drei Sonden auf dem Weg zum Roten Planeten, eine aus China, eine aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und eine dritte, die größte, aus den USA. Die hat sogar eine Art Hubschrauber an Bord, der die Marsoberfläche als Drohne erkunden soll. Apropos: Sollte die Menschheit durch eine kosmische Katastrophe einmal untergehen, sollten all ihre Spuren auf der Erde vernichtet werden, so bleiben genug menschliche Artefakte auf dem Mars zurück – die dann eine raumfahrende Alienrasse entdecken könnte. Der Mars gleicht einer Müllhalde. Von den 55 seit 1960 gestarteten Marsmissionen sind 30 gescheitert. Am erfolgreichsten waren die Amerikaner, von zehn Sonden funktionierten acht, wie sie sollten, die Sowjets hatten weniger Glück, von 21 Sonden waren nur 3 erfolgreich. – Was wollen die alle auf dem Mars? Die zahlreichen Aufnahmen der gelandeten NASA-Sonden zeigen eine rotbraune Wüstenlandschaft, die nicht interessanter wird, wenn der Lander monatelang darin herumfährt.
Ein riesiger Ozean
Bedeutendste Erkenntnis aus fast sechs Jahrzehnten Marsforschung: Unter dem Südpol des Mars dehnt sich ein Ozean mit bis zu zweitausend Kilometern Durchmesser aus. Das Wasser dieses unterirdischen Ozeans ist natürlich gefroren. Das Eisvolumen soll zwei Drittel unseres Grönlandeises ausmachen; wäre es völlig geschmolzen, würde das Wasser den ganzen Planeten elf Meter hoch bedecken. Daraus könnte man Wasserstoff und Sauerstoff als Raketenantrieb gewinnen, Voraussetzung für eine Besiedlung der Planeten, die allen Ernstes von verschiedenen Organisationen geplant wird.
Bemannte Marsmissionen sind Gegenstand von Hollywoodfilmen, ein „Marsfieber“ scheint um sich zu greifen. Man spricht von Landwirtschaft auf dem Mars, Abbau von Bodenschätzen; Träume von einer zukünftigen Heimstatt der Menschheit. Besonders wohnlich ist der Mars nicht: Die Atmosphäre besteht aus Kohlendioxid, der Luftdruck beträgt 0,35 % des irdischen. Es ist kalt. Und es gibt kein Magnetfeld, das den tödlichen Sonnenwind abhalten würde. Mars ist im günstigsten Fall nur 56 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, das ist aber 145 Mal so weit wie der Mond. Der reine Hinflug dauert schon sieben Monate. Weil sich die Raketen im Prinzip immer noch so bewegen wie die „V 2“ im Zweiten Weltkrieg. Chemischer Antrieb, entsprechend langsam ist das Gefährt. Die kürzeste Gesamtreise – hin und retour – dauert zwei Jahre. Woher kommt also die Marsbegeisterung? Sie speist sich nicht aus objektiven Gegebenheiten. Nichts, was kein Krieg ist, schmeichelt dem aufstrebenden Nationalismus so sehr wie große Raumfahrtprojekte. Hier geht es nicht um „Forschung“. Es geht um den schlichten Ausruf „Wir auch!“ – das ist aber immer noch besser, als das ganze Geld in Rüstung zu stecken!