Covid-19-Erreger kommt nicht aus dem Labor

Wissen / 20.03.2020 • 17:34 Uhr
Forscher sehen zwei mögliche Entstehungsszenarien. APA
Forscher sehen zwei mögliche Entstehungsszenarien. APA

Laut Analysen von Forschern sei es kein absichtlich konstruiertes oder verändertes Virus.

Wien Forscher inspizierten das Erbgut des Coronapandemie Erregers (SARS-CoV-2) und berichten in „Nature Medicine“: „Unsere Analyse zeigt klar, dass es kein Konstrukt aus dem Labor ist.“ Es habe seine Gefährlichkeit durch natürliche Prozesse in Tieren entwickelt, bevor es zum Menschen übersprang, oder erst in wenigen Patienten, erklären sie.

Kurz nach Ausbruch der Epidemie entzifferten chinesische Forscher das Erbgut des Erregers und machten die Daten Forschern weltweit zugänglich. Ein Team um Kristian Andersen vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien (USA) verglich das SARS-CoV-2-Erbgut mit dem von anderen Coronaviren-Stämmen und konzentrierte sich auf Merkmale, wie die genetische Vorlage für nach außen ragende Eiweißstoffe in der Virushülle (Spike Proteine), mit dem das Virus die Außenwände von menschlichen oder tierischen Zellen packt und durchdringt. Ein Teil des Spike Proteins (RBD – Rezeptor Binde Domäne) funktioniert wie ein Enterhaken, der sich an einem Eiweißstoff (ACE2) an der Außenseite der Wirtszellen einhängt. Laut biochemischen Experimenten ist es sehr effektiv, während Computeranalysen die Bindung als suboptimal eingestuft hätten. So ist dieser Enterhaken wohl das Resultat natürlicher Anpassung und nicht von gentechnischen Veränderungen, so die Forscher.

Molekulare Gesamtstruktur

Analysen des Virusgrundgerüsts unterstützen diese Evidenz. Es unterscheidet sich substanziell von dem anderer bekannter Coronaviren bei Menschen und gleicht am ehesten dem Grundgerüst verwandter Viren in Fledermäusen und Schuppentieren. „Wenn irgendjemand versucht hätte, ein neues Coronavirus als Krankheitserreger zusammenzustellen, hätte er es wohl auf dem Grundgerüst eines bekannten Virus, das Krankheiten verursacht, aufgebaut“, meinen die Forscher.

„Diese zwei Eigenschaften: Die Veränderungen im RBD-Teil des Spike Proteins und sein spezielles Grundgerüst, schließen Manipulationen im Labor als potenziellen Ursprung für SARS-CoV-2 aus“, erklärte Anderson gegenüber dem Wissenschafts-Nachrichtenmagazin ScienceNews.

Den Erbguteigenschaften des Virus nach gäbe es zwei mögliche Szenarien, wie der Coronaerreger entstanden ist, so die Forscher: Erstens kann es seine gefährlichen Eigenschaften durch die natürliche Auslese in Tieren entwickelt haben und dann zu Menschen übergesprungen sein -wie bei SARS und MERS. Am ehesten käme SARS-CoV-2 von Fledermäusen, weil es einem Fledermaus-Coronavirus stark ähnelt. Da es keinen Nachweis für eine direkte Übertragung auf Menschen gibt, war eventuell ein anderes Tier als „Zwischenwirt“ involviert. Laut diesem Szenario hätte die Epidemie sofort begonnen, als das Virus erstmals in Menschen auftauchte.

Zweite Möglichkeit: Das Virus könnte relativ harmlos gewesen sein, als es vom Tier zum Menschen kam. Dann hätte es seine Gefährlichkeit erst in Menschen entwickelt. Schuppentier-Coronaviren haben teils ähnliche Enterhaken-Strukturen und sie könnten direkt oder über Zwischenwirte in Menschen gelangt sein. Das Spike Protein hat eine weitere gefährliche Eigenschaft, es kann menschliche Zellen aufbrechen, um einzudringen. Diese Eigenschaft hätte sich in diesem Szenario am ehesten im Menschen entwickelt.