Sehr alte Rechnung

Das Osterdatum als Beginn des „Rechnens“ im Abendland.
Schwarzach In fünf Wochen ist Ostern, das steht so im Kalender, aber warum ist das so? Das Osterdatum schwankt in der Geschichte von ganz früh bis ziemlich spät. 2020 liegt mit dem 12. April etwa im Mittelfeld. – Wann genau Jesus gekreuzigt wurde, ist nicht ganz klar, klar ist aber die Reihenfolge: Die Kreuzigung erfolgte an einem Freitag, dann war ein Tag Grabesruhe, danach Auferstehung am Sonntag. Das Pessachfest beginnt am 14. Nisan, dem Frühlingsmonat, nach dem damals üblichen jüdischen Kalender.
Im frühen Christentum der ersten Jahrhunderte war nicht ganz klar, wann die Auferstehung Christi zu feiern sei, das Konzil von Nicäa setzte dann im Jahr 324 fest: Ostern ist an einem Sonntag nach Frühlingsbeginn zu feiern, wichtig dabei: nach dem jüdischen Pessachfest. Der Mönch Dionysius Exiguus („der Geringe“ oder der „Kleine“) erstellte im Jahr 530 sogenannte Ostertafeln. Danach war der Ostersonntag auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn festgelegt. Die grundsätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass der Frühlingsbeginn mit dem Sonnenlauf zusammenhängt, der Vollmond aber mit dem Umlauf des Mondes. Beide sind nicht kompatibel.
„Computus“
Die „Computistik“ befasste sich im Mittelalter mit einer einzigen Sache: der Berechnung des richtigen Osterdatums. Unser „Computer“ hat dieselbe Wurzel „Computus“, das heißt „Berechnung“ – der „Computus“ war in der Universität oft die einzige mathematische Disziplin! Die Kathedralen des Mittelalters wurden gebaut, ohne dass jemand dabei in heutigem Sinn „gerechnet“ hätte. Dionysius führte auch die Zählung der Jahre nach Christi Geburt ein, vorher zählte man nach der „Ära der Märtyrer“, die mit dem Amtsantritt des Christenverfolgers Diokletian im Jahr 284 n.Chr. begann. Das Osterdatums zu finden ist trotz einer Reform durch Papst Gregor im 16. Jahrhundert kompliziert; der Grund für die Kalenderreform war natürlich Ostern selber, denn am Osterdatum hängen alle beweglichen Feste des Kirchenjahres.
Der deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß, ein Genie seines Jahrhunderts, hat 1800 eine Formel zur Berechnung angegeben. Gute Kopfrechner haben früher diese Formel auswendig gelernt und damit erstaunen ihre Zeitgenossen mit der Berechnung des Osterdatums beeindruckt. Heute unvorstellbar, Osterrechner gibt`s im Internet. Der früheste Ostertermin ist der 22. März, der spätest mögliche der 25. April. Das Fest kann also auf 35 verschiedene Kalenderdaten fallen. Ostern am 22. März ist erst wieder im Jahre 2285, das späteste Ostern schon am 25. April 2038.