Notfallplan für bedrohte Süßwasserökosysteme

Wien Flüsse, Seen und Feuchtgebiete zählen zu den artenreichsten Ökosystemen. Doch diese Artenvielfalt nimmt dramatisch ab und koordinierte Maßnahmen für eine Trendumkehr fehlen. Forscher haben nun im Fachjournal „BioScience“ einen Notfallplan zum Schutz und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in den Gewässern vorgelegt. Süßwasserökosysteme bedecken weniger als ein Prozent der Erdoberfläche, beherbergen aber mehr als zehn Prozent aller Arten und ein Drittel aller Wirbeltierarten. Zugleich bieten diese Ökosysteme eine zentrale Lebensgrundlage für Milliarden von Menschen, etwa für die Trinkwasserversorgung, die Bewässerung in der Landwirtschaft oder den Fischfang.
Massiv bedroht
Doch diese biologische Vielfalt und deren Ökosystemleistungen sind massiv bedroht: Feuchtgebiete verschwinden dreimal schneller als Wälder und der Rückgang der biologischen Vielfalt ist doppelt so stark in den Gewässern wie an Land oder im Meer. Von den knapp 30.000 bisher für die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN bewerteten und von Gewässern abhängigen Arten seien 27 Prozent vom Aussterben bedroht. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordern Wissenschafter insbesondere Maßnahmen, um Flüsse natürlicher fließen zu lassen, Verschmutzung zu vermeiden, kritische Feuchtgebietslebensräume zu schützen, Überfischung und Übernutzung zu stoppen sowie invasive Arten zu kontrollieren. Besonders relevant sei die Vermeidung von Staudämmen an den letzten frei fließenden Flüssen der Welt sowie der Ausbau von Schutzgebieten in Partnerschaft mit lokalen Gemeinschaften.