Ethik

Wissen / 21.02.2020 • 11:31 Uhr

Der Techniker Chum Mey aus Phnom Penh glaubte schon, er würde dem Terrorregime der Roten Khmer entkommen, als er letztlich doch noch verhaftet, ins berüchtigte Folter-Konzentrationslager „S-21“ gebracht und dort tagelang gequält wurde. Er sollte gestehen, ein CIA- Agent zu sein. Als er schon glaubte, sein Ende sei nahe, fragte ihn einer der Folterknechte, ob er Schreibmaschinen reparieren könne. Chum Mey bejahte. Da er ein begabter Mechaniker ist, reparierte er nicht nur Schreibmaschinen, sondern auch Nähmaschinen und Fahrzeuge. Das rettete ihm das Leben.

Nachdem sich die Roten Khmer durch interne Kämpfe aufgerieben hatten, kamen am 7. Jänner 1979 vietnamesische Soldaten ins Land. Sie verjagten die Regierung der Roten Khmer namens „Angka“ (Organisation) und besetzten Kambodscha ein Jahrzehnt lang. Chum Mey berichtet, dass es in Kambodscha keine einzige Familie gibt, in der nicht mindestens ein Mordopfer zu beklagen ist. Er selbst hat seine gesamte Familie, Eltern, Frau und Kinder durch das Wüten der Kommunisten verloren.

Rassenlehre

Es dauerte Jahre, bis das ganze Ausmaß der Raserei sichtbar wurde. Kambodschas heutige kommunistische Regierung erkennt rund eine Million Tote an, weil diese Zahl dokumentiert ist. In Wahrheit wurde die Hälfte des 7 Millionen-Volkes der Khmer erschossen, erschlagen oder dem Hungertod preisgegeben. Nach den Massakern begann die Suche nach den Mördern, die bis heute andauert. Chum Mey, der als Kronzeuge vor einem Sondergericht aussagte, berichtet, dass Kaing Guek Eav, genannt „Duch“, als Leiter von S-21 zuerst nur zu 19 Jahren, nach Berufung zu lebenslangem Gefängnis verurteilt wurde. Die Verbrechen der Machthaber beschränkten sich nicht auf das Morden. Sie reichten von der Schließung aller Schulen, der Abschaffung jeglichen Privateigentums bis zur Zwangsverheiratung, eine Idee, die Pol Pot der Rassenlehre der Nationalsozialisten entnahm.

Nach der Pariser Friedenskonferenz von 1991 zogen die Vietnamesen ab, rund zehn Millionen Zivilisten blieben. Die Khmer sind seither eine Minderheit im eigenen Land. Geld und qualifizierte Fachleute fehlen, fast der gesamte elektrische Strom muss aus Thailand, Laos und Vietnam importiert werden.

Ethikunterricht

Unsere Bundesregierung hat angekündigt, das Fach Ethik einzuführen. Das wäre die Gelegenheit, den gesamten Holocaust-Wahnsinn des 20. Jahrhunderts im Lehrplan zu verankern. Es ist den Schülern zuzumuten, die Wahrheit zu erfahren über den Massenmord der Türken an den Armeniern, die Genozide Hitlers, Stalins, Mao Tse Tungs und Pol Pots, die Verbrechen König Leopolds von Belgien im Kongo und den Völkermord in Ruanda (Hutus gegen Tutsis). Diese Liste ist unvollständig.

„Nachdem sich die Roten Khmer durch interne Kämpfe aufgerieben hatten, kamen am 7. Jänner 1979 vietnamesische Soldaten ins Land.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.