Älteste Version von Mittelalter-Sexgedicht in Melk entdeckt

Melk, Wien Mit seinem offenherzigen Umgang mit dem Thema Sexualität passt das Gedicht „Rosendorn“, von dem bisher zwei Fassungen – der „Codex Dresden“ und der „Karlsruher Codex“ – bekannt waren, so gar nicht in die heutigen landläufigen Vorstellungen über das Mittelalter. Kurz gefasst geht es in dem Text, der tiefenpsychologisch vermutlich Bände füllen kann, um eine Jungfrau, deren Vulva plötzlich sprechen kann, wie es in der Dresdner Version heißt. Sie hält der Jungfrau dann vor, zu viel auf ihr Aussehen zu geben, wo doch eigentlich sie es sei, die die Männer begehren. In der Folge gehen beide getrennte Wege, was wiederum keine der beiden glücklich werden lässt, und so kommt es am Schluss zur Wiedervereinigung. „Dass so ein Text in einer Klosterbibliothek gefunden wurde, ist natürlich interessant“, sagte Christine Glaßner vom Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.