Wie Sommerwärme in den Winter gespeichert werden kann

Wissen / 23.02.2019 • 14:00 Uhr
Wie Sommerwärme in den Winter gespeichert werden kann

Heizen ohne Kohlenstoff – so funktionierts konkret.

Schwarzach „Dekarbonisierung“ heißt das Schlagwort: Kohlenstoff raus aus allem, wo es nur irgendwie geht! Beim Verkehr, der 34 Prozent der Energie beansprucht, stößt das auf große Schwierigkeiten, beim Warmwasser, immerhin 30 Prozent, aber nicht, wenn man sich etwas traut. Saisonale Speicherung heißt die Lösung – allerdings nur, wenn es nicht jeder für sich allein macht, sondern große Speicher gebaut werden.

Es kommt natürlich darauf an, wie das Wasser erhitzt wird. In dem Modell, das ich hier vorstelle, ausschließlich durch die Sonne mit möglichst billigen, in riesigen Stückzahlen hergestellten Sonnenkollektoren, die eher flach stehen, so dass sie im Sommer den höchsten Ertrag bieten. Das erhitzte Wasser wird in riesigen Tanks aufbewahrt, ähnlich denen, wo heute noch das Öl lagert. Ich denke an einen Tank mit 200 Meter Durchmesser und 20 Meter Höhe, darin haben 630.000 Kubikmeter heißes Wasser Platz, bei einer Wärmemenge von 50 Kilowattstunden pro Kubikmeter ist das Heizenergie für 3900 Einfamilienhäuser, wenn die je 8000 kWh pro Jahr zum Heizen brauchen. Nicht shclecht, aber noch weit entfernt vom Niedrigenergiehaus.

Wird das Wasser im Lauf des Jahres nicht kalt? Doch, aber nur ein knapp zwei Grad pro Monat, wenn der Tank nur ein bisschen isoliert ist. Und wie kommt das heiße Wasser in diese 3900 Einfamilienhäuser? Normalerweise denkt man da an in die Erde verlegte Nahwärmenetze aus superisolierten Leitungen, eine ungeheure Infrastrukturaufgabe. Wie wäre es, die schon bestehende, mit vielen Milliarden Euro bezahlte Infrastruktur zu nutzen? Die Straße, die bei uns buchstäblich zu jedem Haus führt.

Standardisierter Haustank

Das Heizungswasser kommt, 80 Grad heiß, mit einem Tankwagen und wird in einem standardisierten Haustank gespeichert. 33 Kubikmeter Inhalt. Der Tank ist, um Wärmeverluste möglichst zu vermeiden, genau so dick wie hoch, nämlich dreieinhalb Meter.

Mit einem Viertelmeter Isolierung rundum passt das Ding in einen Kubus vier mal vier mal vier Meter. Steht neben dem Haus, oder ins Haus integriert, oder im Keller, ganz egal. Dieser Speicher verliert auch nur knapp sechs Grad im kältesten Monat des Jahres! Über einen Wärmetauscher fährt das Heizsystem des Hauses die Speichertemperatur nach unten, von 80 auf 30 Grad.

Wenn das Wasser lau ist, kommt der Tankwagen, nimmt es mit und füllt heißes nach. Wie oft muss das sein? Ganze fünf Mal während der Heizperiode, etwa alle sechs Wochen. Natürlich bedingt das zusätzlichen Lkw Verkehr auf unseren Straßen. Eine erträgliche Belastung? Kommt auf den Lkw an. Wenn er zum Beispiel mit irgendeiner Art leisem Elektro- oder Wasserstoffantrieb ausgerüstet ist, wohl eher, als bei einem lauten Dieselungetüm. Bleibt noch zu erwähnen, dass die so beheizten Häuser nicht um den Zentraltank herumstehen müssen, wie bei einem Nahwärmenetz, sondern beliebig verteilt sein können – in der Einführungsphase sicher ein Vorteil. (von Christian Mähr)