„Nach hundertfünfzig Metern links abbiegen“

Wer dem Navi-Gerät blind vertraut, kann mitunter böse Überraschungen erleben.
schwarzach. Auf einer Langlaufloipe landete das Auto zweier Urlauberinnen, die sich am 19. Jänner auf dem Weg durch Osttirol befanden. Die beiden Frauen fuhren auf der Defereggental-Landesstraße. Gegen halb elf Uhr abends wurden sie vom Navi zu einer Langlaufloipe gelotst, auf der das Auto schlussendlich stecken blieb. Und das Navi sagte: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“
Weil ein Lkw-Lenker seinem Navigationsgerät gefolgt hatte, lenkte er seinen Sattelschlepper in einen gepflügten Acker. 17 Feuerwehrleute hatten vier Stunden lang zu tun, das Schwerfahrzeug wieder auf die Straße zu bringen. Passiert ist das Mitte Dezember in der Steiermark.
Eigentlich wollte die 18 Jahre alte Fahranfängerin aus Coburg am 11. November nach Garmisch-Partenkirchen fahren. Stattdessen endete ihre Reise – dank dem Verlass aufs Navi – in einer nassen Wiese bei Sigmarszell am Bodensee, also mehr als 100 Kilometer vom tatsächlichen Zielort entfernt. Die völlig aufgelöste junge Frau holte über den Notruf Hilfe. Der Abschleppdienst brachte das Fahrzeug wieder auf die Straße zurück.
1400 Kilometer Umweg
Die wohl kurioseste der jüngsten Geschichten über Irreführungen durch Navis ist die einer Belgierin, die ihrem kaputten Navi-Gerät vertraut hatte und statt nach Brüssel mehr als 1400 Kilometer quer durch Europa in den Süden gefahren ist. Den Irrtum bemerkte die 67-Jährige erst, als sie die kroatische Hauptstadt Zagreb erreicht hatte.
„Eva“, Baujahr 1983
Das Navigationssystem fürs Auto wurde in den 1980er-Jahren in der niedersächsischen Stadt Hildesheim von Blaupunkt, der Tochter des Autozulieferers Bosch, entwickelt. Der Prototyp wurde 1983 gebaut und bekam den Namen „Eva“ – „Elektronischer Verkehrslotse für Autofahrer“. Die Landkarte war damals noch auf einer Kassette gespeichert, deren Datenvolumen gerade einmal für die Hildesheimer Innenstadt reichte.
Nach „Eva“ folgte 1989 der TravelPilot als erstes serienreifes Auto-Navigationsgerät für den Straßenverkehr in Europa. Damals speisten noch Radsensoren und ein Kompass Informationen in die gespeicherten Straßenkarten ein. Inzwischen werden die Navis von Satellitenpositionsdaten (GPS) gelenkt.
In jüngster Zeit werden diese Geräte immer öfter von Smartphones abgelöst, die Navis bereits im Programm integriert haben. Und Anweisungen wie Informationen werden immer genauer. Es wird nicht mehr nur angegeben, wo abgebogen werden muss und wann man „wenn möglich bitte wenden“ sollte, sondern auch über Tempolimits, Radargeräte, Baustellen, Fahrzeiten und vieles mehr informiert.
Allerdings ändern sich Europas Straßennetze unterm Jahr, und es vergehen bis zu zwölf Monate, bis diese Änderungen in den Karten neuer Navis erfasst sind. Darum ist es ratsam, als Besitzer eines älteren Gerätes Updates zu erwerben oder aus dem Internet herunterzuladen.
Verstand nicht ausschalten
Aber auch wenn die neuesten Daten gespeichert sind, kann blindes Vertrauen in die technischen Helfer mitunter mit einer bösen Überraschung enden. Der eigene Verstand sollte beim Autofahren mit Navigationsunterstützung nicht ausgeschaltet werden. Also nicht „nach hundertfünfzig Metern links abbiegen“ oder sicher sein, sein „Ziel erreicht“ zu haben, nur weil es die Navi-Stimme befiehlt. Und noch ein Tipp: Es ist ratsam, den bewährten Straßenatlas trotz Navi mitzuführen.