Austausch mit anderen

Nikolas Burtscher ist Geschäftsführer der Selbsthilfe Vorarlberg.
Lochau „Ich war schon immer der Meinung, dass es neben einer professionellen Sichtweise auch eine andere braucht“, erklärt Nikolas Burtscher, Geschäftsführer der Selbsthilfe Vorarlberg. Aus einer persönlichen Betroffenheit nahm der engagierte Lochauer erstmals im Jahr 2009 an einer Selbsthilfegruppe teil: „Das war sehr erleichternd. Der Austausch mit anderen Betroffenen war überaus wertvoll und für mich sehr hilfreich. Durch die Gespräche wurde mir ein Blick über den Tellerrand hinaus ermöglicht.“
Große Verantwortung
Nikolas Burtscher wirkt sehr ruhig, strahlt Empathie aus und ist gerne im Kontakt mit anderen Menschen. Kein Wunder, dass er sogleich gefragt wurde, ob er in den Vorstand der Selbsthilfe Vorarlberg wolle. Bald darauf wurde er interimistisch Geschäftsführer: „Das war anfangs nicht immer ganz einfach. Vor zehn Jahren habe ich dann die Leitung offiziell übernommen.“ Diese Aufgabe bedeutet eine große Verantwortung, denn es gibt rund 100 Selbsthilfegruppen in Vorarlberg, die jedoch nicht alle dem Verein Selbsthilfe Vorarlberg angeschlossen sind: „Wir stehen jedoch allen mit Rat und Tat zur Seite, die eine Gruppe gründen wollen.“ 85 Prozent der Selbsthilfegruppen beschäftigen sich mit gesundheitlichen Themen, der Rest widmet sich sozialen Bereichen wie etwa Hinterbliebenen nach Suizid oder von Gewalterfahrungen: „Unsere Selbsthilfegruppen decken unterschiedlichste Themengebiete ab. Meine Kernaufgabe liegt vor allem darin, Gruppentreffen und die dafür nötigen Räumlichkeiten zu organisieren. Aber auch die Weiterbildung unserer Gruppensprecher ist mir ein wichtiges Anliegen“, erläutert Burtscher.
Fachliche Hilfe gibt es nicht nur für Gruppenbildungen, sondern auch für die Gründung von Vereinen: „Wir helfen außerdem beim Veranstaltungsmanagement und bei Konzepterstellungen.“ Dafür ist das ausgebreitete Netzwerk des 40-Jährigen ebenfalls sehr dienlich. Es ist ihm wichtig, Synergien zu bilden: „Früher galt der Lebensraum Bregenz eher als Konkurrenz. Peter Weiskopf, der dortige Geschäftsführer, und ich haben mittlerweile ein gemeinsames Logo entworfen, bieten Informationsveranstaltungen gemeinsam an und entwickeln in Zusammenarbeit die Weiterbildung der Gruppensprecher“, erzählt er. Dem sportlichen Geschäftsführer ist es in der Angebotsentwicklung sehr bewusst, dass es für die Gründung von neuen Gruppen vom jeweiligen Thema Betroffene braucht: „Ich persönlich kann mich zwar hineinfühlen, wie es ist, wenn man ein behindertes Kind hat oder von psychischer Gewalt betroffen ist, aber das ist fiktiv.“
Ausbildung als Bereicherung
Der gebürtige Satteinser hat einen sehr abwechslungsreichen Lebenslauf hinter sich. Nach einer Tourismus-Ausbildung war er jahrelang in der gehobenen Gastronomie tätig, mit 29 Jahren entschloss er sich zu einer Lehre als Versicherungskaufmann. Doch dann kam die Erkenntnis, dass ihm der Sozialbereich besser liege: „Bei meiner Arbeit bei der Selbsthilfe Vorarlberg wurde mir klar, dass ich neben meinen vielfältigen beruflichen Erfahrungen auch eine fundierte Ausbildung in diesem sensiblen Bereich absolvieren wollte.“ Kurzentschlossen meldete er sich für ein berufsbegleitendes Studium an der FH Vorarlberg in Sozialer Arbeit an, das er mit einem Bachelor abschloss: „Im Herbstsemester möchte ich mit einem Masterstudium beginnen“, sagt er.
Ein erklärtes Ziel der Selbsthilfegruppen sei es, die Eigenverantwortung jedes Teilnehmers zu stärken: „Unsere Gruppensprecher oder ich beraten die Menschen nicht. Wir versuchen, gemeinsam im Dialog zu einer Lösung zu kommen. Dabei ist der Austausch in der Gruppe entscheidend.“ BI
Zur Person
Nikolas Burtscher
Geboren 1980
Familie Lebenspartnerschaft mit Alexandra Grasser
Wohnort Lochau
Beruf Geschäftsführer Selbsthilfe Vorarlberg
Hobbys Radfahren, Wandern, Skifahren, Reisen, Wellnessen